Obwohl ich dieses Mal schon in der Vorrunde ausgeschieden bin, kann ich mit meinem Ergebnis zufrieden sein. Beim zweiten Freikampfturnier der Gladiatores in München am 7. Dezember 2013 traten je 9 Teilnehmer in 4 Gruppen an und in meiner Gruppe bin ich immerhin auf Platz 3 gekommen, hab also (prozentual) mehr Kämpfe gewonnen als Anfang des Jahres. Außerdem bin ich mit weniger schlimmen Blessuren davongekommen. Mein Daumen, die große Schwachstelle beim letzten Mal ist heil geblieben.
Insgesamt war mein Eindruck positiv. Es lief alles noch eine Ecke professioneller ab als beim letzten Mal (gut, die Ergebnistafel hat nicht immer die Realität wiedergegeben, aber das ließ sich leicht korrigieren), die Ringrichterentscheidungen waren meines Erachtens souveräner (manchmal souverän falsch, manchmal souverän richtig ^__^) und die Teilnehmer sind auch entspannter an die Sache rangegangen, fand ich. Zu den 4 Seitenrichtern gab es jetzt auch noch 2 Hauptkampfrichter.
Ich muss aber gleich dazusagen, dass ich nicht bis zum Ende geblieben bin.
Meine persönlichen Highlights waren die Schwert und Buckler-Kämpfe. Es waren zwar einige dabei, bei denen man gemerkt hat, dass die Erfahrung mit dieser Waffengattung fehlt, aber dafür sind 1. ordentlich die Funkten geflogen (wörtlich gemeint!) und 2. wurde einer der Kämpfe zum Langmesser-Duell umfunktioniert, weil einer der Kämpfer lieber verlieren wollte, als seinen Buckler zu verwenden. Ehrensache, dass sein Gegner seinen Buckler da auch hinter den Rücken nimmt ...
Überhaupt fand ich es schön zu sehen, wenn Kämpfer die Entscheidung der Ringrichter gegen sich selbst durchweg bestätigen oder sogar einen Treffer zugeben, auch wenn ihn keiner der Ringrichter gesehen hat. Ich hab' dadurch auch einen Punkt "verschenkt". Aber genau diese ungeschriebenen Gesetze machen es so reizvoll HEMA zu machen.
Kritik? Beim ersten Turnier war es durch die kleinere Teilnehmerzahl noch möglich, dass die Teilnehmer und Gruppen vorgestellt wurden. Diesmal wurden nur noch mal die Regeln durchgegangen und danach ging's los. Wie gesagt ich bin nicht bis zum Ende geblieben und es gab wieder genug Gelegenheit zwischen den Kämpfen sich umzuhören und Leute kennen zu lernen.
Als Preis gab es dieses Mal eine Fechtfeder, und zwei Gutscheine zu gewinnen. Neben dem Männerturnier im Langschwert und dem Schwert und Buckler Turnier wurde auch unter den 4 teilnehmenden Frauen die beste ausgekämpft.
Ach so: Und auch diesmal gab es wieder einige, die sich auf dem Weg vom Klo zurück in die Halle erstmal verlaufen haben.
Ein Randprodukt meiner Doktorarbeit über die HEMA-Szene und zeitgenössische Schwertkunst in Deutschland
Sonntag, 8. Dezember 2013
Sonntag, 20. Oktober 2013
Eindrücke von der Gladiatores Fechtmeisterwoche 2013
Zeit: Mittwoch 16. - Sonntag 20. Oktober
Ort: Burg Tannenburg
Leitung: Peter Koza
500 Euro sind bisher die größte Summe, die ich für ein Fechtseminar ausgegeben habe und ich hab mir lange überlegt, ob ich so viel Geld ausgeben soll.
Aber ich war neugierig auf Peter Koza und wollte mal eine längere Gladiatores-Veranstaltung besuchen. Das Freundschaftsturnier Anfang des Jahres hatte ich noch in guter Erinnerung und hab auch nur gutes über die Gladiatores-Seminare gehört (abgesehen davon, dass da Finger zu Bruch gehen). Dementsprechend waren meine Erwartungen etwas höher als bei Adventsfechten und Co.
Die erste große Überraschung war, dass die Fechtmeisterwoche eigentlich gar keine Gladiatores-Veranstaltung ist, sondern eine von Peter Koza, die von Gladiatores organisiert wird.
Die zweite Überraschung war die Burg. Sicherheitshalber hatte ich ein Zelt mit, falls das Wetter schön ist, hab mich aber dann doch entschlossen in der Burg selbst zu schlafen. Im Endeffekt hat das keinen großen Unterschied gemacht, denn die Tannenburg wird seit einigen Jahren restauriert und wenn es draußen vier Grad hatte und der Wind gepfiffen hat, dann war das innen genauso. Mit dem Unterschied, dass es draußen feucht und drinnen staubig war. Mit Luftmatratze, Schlafsack und Ohropax (ca. 30 Leute in einem Saal) ging's, aber in jeder Turnhalle ist es gemütlicher, da liegen wenigstens keine toten Vögel rum und der Weg zum Klo ist auch nicht so weit. Wenn man hier mal musste hieß es runter und dann quer über den Burghof, egal ob's regnet oder nicht. Es haben alle überlebt ohne zu krank zu werden, aber dafür gibt's ein dickes Minus.
Einen großen Pluspunkt hat dagegen das Essen verdient. Zum Frühstück warmes Brot, Käse, Wurst und die üblichen Obst-, Müsli-, Eier- und Marmeladeschüsseln in der Taverne Allerley, das hatte schon was. Man hat zwar nicht gesehen, was auf dem Buffet stand, weil genau dort eine Lampe gefehlt hat, aber was soll's, war alles gut. Mittags gab es das Gleiche wie zum Frühstück plus warmen Kuchen und die Reste vom Tag davor. Auch wenn ich nicht so ausgehungert gewesen wäre, hätte es sich für den Kuchen gelohnt, der war lecker. Einmal gab's als Extra auch noch Flammkuchen.
So wenig wie zum Übernachten war die Burg auch für Fechtunterricht geeignet. Es war zwar in den 3 Säälen gerade genug Platz für alle, aber wieder war es zugig, der Boden bestand aus groben Brettern, auf denen allerhand Staub, Sägespäne, Schrauben und was weiß ich noch rumlag und gezogen hat es teilweise auch wie Hechtsuppe. Außerdem gab es im obersten Saal, in dem ich meistens war, nur zwei Fenster. Die blieben zu, damit es nicht ganz so kalt wurde und stattdessen hat man das Ganze romantisch mit Baustrahlern ausgeleuchtet. Ich weiß nicht, wie oft ich beim Ausholen hinter mir in die Wand gestochen oder sie bei einem Schlag gestreift habe.
Das größte Manko waren allerdings die Stufen. Peter Koza hat scherzhaft gemeint, dass er über 400 in der Stunde zurückgelegt hat und das hat man auch gemerkt. Er ist etwas aus der Puste gekommen und hat auch manchmal ein wenig den Überblick verloren, in welchem Saal jetzt welche Aufgabe als nächstes drankommt.
Es gab auch den ein oder anderen, der gemeint hat, dass dadurch die Feinheiten etwas zu kurz gekommen sind.
Ach so: Und dann war da noch die Hochzeit, die uns zeitweise aus einem der Sääle vertrieben hat.
Wir haben auch mal draußen trainiert, aber da war nur der Parkplatz groß genug, was auch nicht so wirklich ideal war, besonders wenn Autos vorbeigekommen sind.
Aber jetzt zum Wichtigsten: Den Lerninhalten. Die Grundschule inklusive grundlegenden Angriffen, Paraden und der Beinarbeit fand ich interessant und ich hab davon das ein oder andere mitgenommen. Auch die Kombinationen mit Stechen, Winden, Halbschwert usw. hat mir gefallen, auch wenn ich davon schon das ein oder andere kannte.
Aber ich hab auch ein paar Dinge vermisst. Peter Koza ist ein Füllhorn an Informationen über das Fechten und verschiedene Fechttechniken und bringt dieses Wissen immer wieder in allerhand Anekdoten und Geschichten an den Mann. Er hat es nicht nötig strukturiert vorzugehen, weil er das gesamte Feld überblickt, aber das macht es auch schwierig daran anzuknüpfen. Ich hab zum Beispiel keine Ahnung aus welchen Fechtbüchern die Techniken stammen und was er sich selbst ausgedacht hat.
Auch die Theorieeinheiten waren eher eine Erzählstunde beim Schwertkampf-Opa. Ich meine das gar nicht abwertend, denn man hört ihm gerne zu, aber als er zum Thema Thalhoffer gesprochen hat, ging's ziemlich schnell um Gerichtskämpfe und das mittelalterliche Rechtsverständnis und als Info zum Fechtmeister blieb gerade mal, dass er wohl einer Familie von professionellen Kämpfern angehörte, die mehrere Brüder und mindestens eine Schwester umfasste.
Und dann die Approbations-Diskussion. Da die meisten montags wieder arbeiten mussten und einen mehr oder weniger weiten Weg vor sich hatten, wurde beschlossen, dass man am Sonntag nur noch den Vormittag Unterricht macht. Also fiel ein halber Tag Programm weg. Außerdem war von vornherein geplant, dass an einem Tag die Approbation stattfinden sollte, also eine Prüfung. Die sollten alle mitmachen, was man aus der Ankündigung nicht herauslesen konnte. Die Zeit zum Üben war reichlich bemessen, also noch ein halber Tag weniger.
Ich fand es für meine Doktorarbeit nett zu sehen, wie diese Zeremonie stattfand. Peter Koza war mit mittelalterlichem Gewand und Pelzmütze angetan, jeweils zwei Schüler haben sich vorgestellt und dann ihr Programm aus Schwert, Halbschwert, Dussak und Dolch vorgeführt, am Abend gab es dann feierlich die Zertifikate und ein paar Worte zu jedem Kämpfer. Und er konnte tatsächlich zu jedem was sagen, was gut und was schlecht war.
Aber viel damit anfangen kann ich nicht. Laut Zertifikat kann ich mich jetzt als Tyrus Maior Primus bezeichnen, was irgendwas höheres sein muss, aber fragt mich bitte nicht, was genau das jetzt bedeutet. Es ist eh nur ein Jahr gültig und wird nur vom Magisterium von Peter Koza anerkannt. Und da man wie bei diesem Seminar gezeigt jederzeit in jedem Grad eingestuft werden kann, ist es eh egal, ob man so was gerade hat oder nicht. Aber mit Sigel und Unterschrift vom Fechtmeister macht es schon was her.
Alles in allem hab ich mir ein wenig mehr erwartet. Schlecht war es nicht und ich bin als stallfremder MSKler auch freundlich aufgenommen worden und hab meinen Spaß gehabt, aber so wirklich angefixt bin ich jetzt nicht.
Ort: Burg Tannenburg
Leitung: Peter Koza
500 Euro sind bisher die größte Summe, die ich für ein Fechtseminar ausgegeben habe und ich hab mir lange überlegt, ob ich so viel Geld ausgeben soll.
Aber ich war neugierig auf Peter Koza und wollte mal eine längere Gladiatores-Veranstaltung besuchen. Das Freundschaftsturnier Anfang des Jahres hatte ich noch in guter Erinnerung und hab auch nur gutes über die Gladiatores-Seminare gehört (abgesehen davon, dass da Finger zu Bruch gehen). Dementsprechend waren meine Erwartungen etwas höher als bei Adventsfechten und Co.
Die erste große Überraschung war, dass die Fechtmeisterwoche eigentlich gar keine Gladiatores-Veranstaltung ist, sondern eine von Peter Koza, die von Gladiatores organisiert wird.
Die zweite Überraschung war die Burg. Sicherheitshalber hatte ich ein Zelt mit, falls das Wetter schön ist, hab mich aber dann doch entschlossen in der Burg selbst zu schlafen. Im Endeffekt hat das keinen großen Unterschied gemacht, denn die Tannenburg wird seit einigen Jahren restauriert und wenn es draußen vier Grad hatte und der Wind gepfiffen hat, dann war das innen genauso. Mit dem Unterschied, dass es draußen feucht und drinnen staubig war. Mit Luftmatratze, Schlafsack und Ohropax (ca. 30 Leute in einem Saal) ging's, aber in jeder Turnhalle ist es gemütlicher, da liegen wenigstens keine toten Vögel rum und der Weg zum Klo ist auch nicht so weit. Wenn man hier mal musste hieß es runter und dann quer über den Burghof, egal ob's regnet oder nicht. Es haben alle überlebt ohne zu krank zu werden, aber dafür gibt's ein dickes Minus.
Einen großen Pluspunkt hat dagegen das Essen verdient. Zum Frühstück warmes Brot, Käse, Wurst und die üblichen Obst-, Müsli-, Eier- und Marmeladeschüsseln in der Taverne Allerley, das hatte schon was. Man hat zwar nicht gesehen, was auf dem Buffet stand, weil genau dort eine Lampe gefehlt hat, aber was soll's, war alles gut. Mittags gab es das Gleiche wie zum Frühstück plus warmen Kuchen und die Reste vom Tag davor. Auch wenn ich nicht so ausgehungert gewesen wäre, hätte es sich für den Kuchen gelohnt, der war lecker. Einmal gab's als Extra auch noch Flammkuchen.
So wenig wie zum Übernachten war die Burg auch für Fechtunterricht geeignet. Es war zwar in den 3 Säälen gerade genug Platz für alle, aber wieder war es zugig, der Boden bestand aus groben Brettern, auf denen allerhand Staub, Sägespäne, Schrauben und was weiß ich noch rumlag und gezogen hat es teilweise auch wie Hechtsuppe. Außerdem gab es im obersten Saal, in dem ich meistens war, nur zwei Fenster. Die blieben zu, damit es nicht ganz so kalt wurde und stattdessen hat man das Ganze romantisch mit Baustrahlern ausgeleuchtet. Ich weiß nicht, wie oft ich beim Ausholen hinter mir in die Wand gestochen oder sie bei einem Schlag gestreift habe.
Das größte Manko waren allerdings die Stufen. Peter Koza hat scherzhaft gemeint, dass er über 400 in der Stunde zurückgelegt hat und das hat man auch gemerkt. Er ist etwas aus der Puste gekommen und hat auch manchmal ein wenig den Überblick verloren, in welchem Saal jetzt welche Aufgabe als nächstes drankommt.
Es gab auch den ein oder anderen, der gemeint hat, dass dadurch die Feinheiten etwas zu kurz gekommen sind.
Ach so: Und dann war da noch die Hochzeit, die uns zeitweise aus einem der Sääle vertrieben hat.
Wir haben auch mal draußen trainiert, aber da war nur der Parkplatz groß genug, was auch nicht so wirklich ideal war, besonders wenn Autos vorbeigekommen sind.
Aber jetzt zum Wichtigsten: Den Lerninhalten. Die Grundschule inklusive grundlegenden Angriffen, Paraden und der Beinarbeit fand ich interessant und ich hab davon das ein oder andere mitgenommen. Auch die Kombinationen mit Stechen, Winden, Halbschwert usw. hat mir gefallen, auch wenn ich davon schon das ein oder andere kannte.
Aber ich hab auch ein paar Dinge vermisst. Peter Koza ist ein Füllhorn an Informationen über das Fechten und verschiedene Fechttechniken und bringt dieses Wissen immer wieder in allerhand Anekdoten und Geschichten an den Mann. Er hat es nicht nötig strukturiert vorzugehen, weil er das gesamte Feld überblickt, aber das macht es auch schwierig daran anzuknüpfen. Ich hab zum Beispiel keine Ahnung aus welchen Fechtbüchern die Techniken stammen und was er sich selbst ausgedacht hat.
Auch die Theorieeinheiten waren eher eine Erzählstunde beim Schwertkampf-Opa. Ich meine das gar nicht abwertend, denn man hört ihm gerne zu, aber als er zum Thema Thalhoffer gesprochen hat, ging's ziemlich schnell um Gerichtskämpfe und das mittelalterliche Rechtsverständnis und als Info zum Fechtmeister blieb gerade mal, dass er wohl einer Familie von professionellen Kämpfern angehörte, die mehrere Brüder und mindestens eine Schwester umfasste.
Und dann die Approbations-Diskussion. Da die meisten montags wieder arbeiten mussten und einen mehr oder weniger weiten Weg vor sich hatten, wurde beschlossen, dass man am Sonntag nur noch den Vormittag Unterricht macht. Also fiel ein halber Tag Programm weg. Außerdem war von vornherein geplant, dass an einem Tag die Approbation stattfinden sollte, also eine Prüfung. Die sollten alle mitmachen, was man aus der Ankündigung nicht herauslesen konnte. Die Zeit zum Üben war reichlich bemessen, also noch ein halber Tag weniger.
Ich fand es für meine Doktorarbeit nett zu sehen, wie diese Zeremonie stattfand. Peter Koza war mit mittelalterlichem Gewand und Pelzmütze angetan, jeweils zwei Schüler haben sich vorgestellt und dann ihr Programm aus Schwert, Halbschwert, Dussak und Dolch vorgeführt, am Abend gab es dann feierlich die Zertifikate und ein paar Worte zu jedem Kämpfer. Und er konnte tatsächlich zu jedem was sagen, was gut und was schlecht war.
Aber viel damit anfangen kann ich nicht. Laut Zertifikat kann ich mich jetzt als Tyrus Maior Primus bezeichnen, was irgendwas höheres sein muss, aber fragt mich bitte nicht, was genau das jetzt bedeutet. Es ist eh nur ein Jahr gültig und wird nur vom Magisterium von Peter Koza anerkannt. Und da man wie bei diesem Seminar gezeigt jederzeit in jedem Grad eingestuft werden kann, ist es eh egal, ob man so was gerade hat oder nicht. Aber mit Sigel und Unterschrift vom Fechtmeister macht es schon was her.
Alles in allem hab ich mir ein wenig mehr erwartet. Schlecht war es nicht und ich bin als stallfremder MSKler auch freundlich aufgenommen worden und hab meinen Spaß gehabt, aber so wirklich angefixt bin ich jetzt nicht.
Sonntag, 13. Oktober 2013
Freundschaftsturnier in Moosburg Oktober 2013
Das Freundschaftsturnier vom 13. Oktober in Moosburg ist vorbei und es ist im Großen und Ganzen erfreulich gelaufen. Wehrmutstropfen waren ein harter Schlag auf die Hand / Handgelenk / Unterarm, bei dem ich noch nicht weiß, was dabei rauskommt und ein typischer Daumentreffer.
Ich hab auch ein wenig was abbekommen, aber zur Abwechslung mal auf die Nase (!) als ich im Bodenkampf eine draufbekommen habe. Aber wenn man dafür unter ca. 20 Teilnehmern den 3. Platz holt, dann ist das zu verkraften. Platz 2 hat Stefan Vogel belegt, Platz 1 Maximilian Schlehlein.
Die Regeln waren an die angelehnt, die beim Turnier der Gladiatores in München angewendet wurden, mit zwei wichtigen Unterschieden: 1. Handtreffer brachten keine Punkte. Im Fall dass jeweils eine Hand und ein Kopf getroffen wurde, zählte das als Doppeltreffer, aber man konnte keine Punkte durch "snipen" holen.
Änderung 2 hatte ich eingebracht (und ich hör noch jemanden sagen, dass von dieser Regel eh keiner Gebrauch machen wird): Jeder Teilnehmer konnte selbst sagen, ob er getroffen wurde und das haben die Leute auch ein paar mal zugegeben.
Bodenkampf war erlaubt, wenn beide zugestimmt haben und wenn die Gewichtsklassen einigermaßen gepasst haben. Siehe meine angeschlagene Maske wurde davon auch Gebrauch gemacht.
Ansonsten merkt man glaube ich, dass die Erfahrung bei den Schwertkämpfern langsam wächst. Es gab zwar immer noch viele Doppeltreffer und Kampfentscheidungen, die durch einen Doppeltreffer herbeigeführt wurden, aber in den Kämpfen der Finalrunden, waren einige schöne Aktionen mit dabei. Den Gegner anbrüllen hilft, hab ich festgestellt. Und ihn erst anbrüllen und dann am Ende seiner Schrecksekunde angreifen funktioniert auch ^__^
Ich hab auch ein wenig was abbekommen, aber zur Abwechslung mal auf die Nase (!) als ich im Bodenkampf eine draufbekommen habe. Aber wenn man dafür unter ca. 20 Teilnehmern den 3. Platz holt, dann ist das zu verkraften. Platz 2 hat Stefan Vogel belegt, Platz 1 Maximilian Schlehlein.
Die Regeln waren an die angelehnt, die beim Turnier der Gladiatores in München angewendet wurden, mit zwei wichtigen Unterschieden: 1. Handtreffer brachten keine Punkte. Im Fall dass jeweils eine Hand und ein Kopf getroffen wurde, zählte das als Doppeltreffer, aber man konnte keine Punkte durch "snipen" holen.
Änderung 2 hatte ich eingebracht (und ich hör noch jemanden sagen, dass von dieser Regel eh keiner Gebrauch machen wird): Jeder Teilnehmer konnte selbst sagen, ob er getroffen wurde und das haben die Leute auch ein paar mal zugegeben.
Bodenkampf war erlaubt, wenn beide zugestimmt haben und wenn die Gewichtsklassen einigermaßen gepasst haben. Siehe meine angeschlagene Maske wurde davon auch Gebrauch gemacht.
Ansonsten merkt man glaube ich, dass die Erfahrung bei den Schwertkämpfern langsam wächst. Es gab zwar immer noch viele Doppeltreffer und Kampfentscheidungen, die durch einen Doppeltreffer herbeigeführt wurden, aber in den Kämpfen der Finalrunden, waren einige schöne Aktionen mit dabei. Den Gegner anbrüllen hilft, hab ich festgestellt. Und ihn erst anbrüllen und dann am Ende seiner Schrecksekunde angreifen funktioniert auch ^__^
Samstag, 27. Juli 2013
Sonntag, 23. Juni 2013
Mittsommerfechten 2013 in Krefeld
Neue Halle, neues Thema und neue
Gesichter aber der gleiche Spaß auf hohem Niveau wie immer.
Wenn der Fechtsaal
nach Krefeld zum Mittsommer- bzw. Adventsfechten einlädt, dann kann
man sich eigentlich sicher sein, dass man einiges mitnehmen kann,
auch wenn oder gerade weil es nichts mit dem üblichen
Trainingsbetrieb zu tun hat.
Dank Doppelbelegung durch die Stadt
sind die über 30 Teilnehmer mal in den Genuss einer anderen Halle
gekommen, die zwar klimatisch ein wenig anspruchsvoller aber dafür
vom Platz her besser war als die gewohnte Trainingsstätte.
Los ging es mit dem gewohnt super
Catering (das bis zum Ende Gott sei Dank nicht aufhörte), an dem man
seine Flüssigkeits- und Elektrolytpegel wieder auffüllen konnte,
bzw. versuchen konnte das zu tun, denn es ging in allen Workshops
ziemlich zur Sache, sowohl körperlich als auch geistig.
Ich war bei folgenden Themen
dabei:
Aufwärmen:
Ich hab leider den Namen der Fechterin
vergessen, die das Aufwärmen angeleitet hat, aber ich hab dabei zwei
neue Dinge gelernt: 1. es ist nicht verkehrt und möglicherweise
sogar schonender, wenn man Anfersen und Kniehhochziehen nur jeweils
auf einer Seite macht und dann wechselt. Außerdem sehen die Leute
die das machen noch dämlicher aus, als bei der beidseitigen Variante
^__^
Oliver Janspes (Mispeldorn): Hellebarde
in Formation
Ja, so ungefähr hab ich mich als
Anfänger gefühlt, als ich zum ersten Mal ein Schwert in der Hand
hatte. Eine Hellebarde ist so cool und so … störrisch! Noch dazu
in einer Formation, wo die ersten 3 Regeln heißen: Nicht zurück.
Nicht zurück! Nicht zur Seite. Die Hellebarde kann, um die Formation
nicht zu behindern nur in einem sehr kleinen Radius bewegt werden und
da sie ein ziemlicher Klopper ist, sollte man das Hauen und Rucken
aus den starken Rumpfmuskeln machen und nicht aus den Armen (die
braucht man nämlich nachher noch, um ein(en) Schild hochzuhalten).
Wie beim Schwert kommt es im Kampf
Hellebarde gegen Hellebarde vor allem darauf an, dass Winkel und
Timing passen und dass man die Nerven behält, denn wenn ein paar
Kilo Stahl am Stil auf einen zukommen und man nicht nach hinten darf,
bleiben nur noch sehr wenige Optionen ...
Wir konnten das alleine, mit Partner
und in Formation ausprobieren, zum Abschluss sogar noch mit Leuten
mit Einhandwaffen zusammen, die im Parallelkurs von Ingo Petri
(Hammaborg) beigebracht bekommen haben, wie man ein gegnerisches Deck
säubert.
Taktik ist ziemlich neu für mich,
deshalb gab es hier ein Aha-Erlebnis nach dem anderen. Und ich hab
die Macht von „Hello Kitty“ kennen gelernt ...
Fazit: Wenn man in einer Einheit
kämpft, kommt es nicht mehr auf den einzelnen an.
Jens Peter Kleinau (Zornhau): Gefechte
an der Linie. Mit dem leichten Speer und Schild gegen die
Formation
Das Thema war ein wenig irreführend,
weil man sich hauptsächlich mit Speer und Schild IN der Formation
befunden hat anstatt gegen sie anzutreten, aber man muss schließlich
seinen Feind kennen … Ich hatte ja schon mal das Vergnügen eines
Rossfechten-Seminars, aber die Unterschiede zwischen Lanze, Speer und
Wurfspeer vorgeführt zu bekommen war trotzdem gut. Auch hier fand
ich weniger die Techniken spannend, die man einfach stundenlang üben
muss, bis sie anfangen zu funktionieren, sondern vielmehr den Teil
über Taktik und Strategie.
In einer Schlacht hat jede Waffe eine
ganz bestimmte Aufgabe und oftmals nicht in erster Linie die, einen
Gegner zu töten. Die Lanze soll eine gegnerische Linie durchbrechen,
große Schilde die nachfolgenden Kämpfer decken und ihnen
Gelegenheit geben ihre Waffen einzusetzen, ein Speer in der ersten
Reihe soll den Gegner beschäftigen und die Speere in der zweiten
Reihe sind schließlich dazu da, verwundbare Stellen in der
gegnerischen Schlachtreihe herauszupicken.
Auch hier galt: Nie zurück! Immer nach
vorne durchbrechen. Wenn man dabei in ein menschliches Mikado-Spiel
eingebaut wird, hat man eben Pech gehabt ...
Parallel dazu hat Jörg Bellinghausen
(Tres Gladii) seine Leute bei „Kampf gegen mehrere Gegner nach Hs.
3227A“ die Halle vollschwitzen lassen. Vom Inhalt kann ich leider
nichts berichten, aber wer da mitgemacht hat, der hatte ordentlich zu
tun.
Und das war's dann auch schon wieder
mit den Workshops. Danach war noch Zeit zum Sparring und gegrillt
wurde auch wieder. Da hat vor allem der Duell-Turmschild mächtig was
her gemacht. Ein wenig leichter und man kann tatsächlich einige
schöne Sachen damit machen. Und apropros Duell: Das Advendsfechten
ist für Anfang Dezember 2013 geplant. Thema wird wahrscheinlich
Ordal, Duell & Co.
Donnerstag, 6. Juni 2013
Sonntag, 14. April 2013
Sonntag, 31. März 2013
Persian Archery and Swordmanship
Persian Archery and Swordmanship is one of those books where the author is present but dosn't try to persuade the readers of his own views. In other words Dr. Manouchehr Mashtagh Khorasani presents his
material as it can be found it in the Persian literature and the illustrations therein. As it is mentioned in one of the forewords his book therefore can serve as an introduction for the enthusiast as well as a reference source for researchers.
In 9 chapter Dr. Khorasani describes varous items, that are essential for the Persian martial arts: code of chivalry, archery, mounted combat, spears and lances, swords, maces and axes, knives and daggers, short swords (qame & qaddare) and wrestling.
Compared to contemporary books about historical european martial arts this book is clearly centered on the historical sources, which means, that Dr. Khorasani shows the application of the techiques in photographs, but there is no "didactic" presentation with lessons. The seasoned practitioner of armed martial arts will find lots of clues for his own developement or training nonetheless, especially in the part where Dr. Korasani shows how wrestling techniques can be applied to armed combat for training and war.
Most interesting besides those insights into a fighting system that is as profound and well-developed as its counterparts from Europe and the far East ist the chapter about the code of chivalry, where the tradition of the zurxane (training halls) is described, that survives until today. Here, although most weapon training was removed due to restrictions one still can see the principles of how to prepare the body (and the mind as well) for battle, gaining strenght, flexibility and speed.
There are some small setbacks in this book, as for example a few typos or errors in the layout but the overall quality is very good.
This book is a good supplement for open-minded practitioners of (western) martial arts, who want to widen their horizon, although for practical purposes a shorter, presentation of the material would be even better. It would be a delight to see the experienc of researchers and martial artists from the East and West combined to give the revitalisation of the martial arts of Persia a broader base. There is much to be learned from zurxane, sword-dances and Persian manuscripts and hopefully Dr. Khorasani will be as productive in the future as he is now.
Here is the link where you can buy the book: http://www.moshtaghkhorasani.com/biography/books/persian-archery-and-swordsmanship/
material as it can be found it in the Persian literature and the illustrations therein. As it is mentioned in one of the forewords his book therefore can serve as an introduction for the enthusiast as well as a reference source for researchers.
In 9 chapter Dr. Khorasani describes varous items, that are essential for the Persian martial arts: code of chivalry, archery, mounted combat, spears and lances, swords, maces and axes, knives and daggers, short swords (qame & qaddare) and wrestling.
Compared to contemporary books about historical european martial arts this book is clearly centered on the historical sources, which means, that Dr. Khorasani shows the application of the techiques in photographs, but there is no "didactic" presentation with lessons. The seasoned practitioner of armed martial arts will find lots of clues for his own developement or training nonetheless, especially in the part where Dr. Korasani shows how wrestling techniques can be applied to armed combat for training and war.
Most interesting besides those insights into a fighting system that is as profound and well-developed as its counterparts from Europe and the far East ist the chapter about the code of chivalry, where the tradition of the zurxane (training halls) is described, that survives until today. Here, although most weapon training was removed due to restrictions one still can see the principles of how to prepare the body (and the mind as well) for battle, gaining strenght, flexibility and speed.
There are some small setbacks in this book, as for example a few typos or errors in the layout but the overall quality is very good.
This book is a good supplement for open-minded practitioners of (western) martial arts, who want to widen their horizon, although for practical purposes a shorter, presentation of the material would be even better. It would be a delight to see the experienc of researchers and martial artists from the East and West combined to give the revitalisation of the martial arts of Persia a broader base. There is much to be learned from zurxane, sword-dances and Persian manuscripts and hopefully Dr. Khorasani will be as productive in the future as he is now.
Here is the link where you can buy the book: http://www.moshtaghkhorasani.com/biography/books/persian-archery-and-swordsmanship/
Dienstag, 5. Februar 2013
Bericht vom Freikampfturnier bei den Gladiatores München 02.02.2013
Es waren 24 Teilnehmer u.a. von MSK, Europäische Schwertkunst, den Gladiatores, Schwertkampf Ochs und anderen Gruppen da, daneben eine ganze Handvoll Zuschauer.
Es standen zwei Hallen mit Kampfflächen von je 7 x 7 Metern zur Verfügung, die Vorrundenkämpfe fanden parallel statt, ab dem 8el-Finale nur noch in einer Halle.
Zu Beginn des Turniers wurden die Teilnehmer in die Gruppen A - F eingelost, worauf man darauf geachtet hat, dass gleiche Schulen nicht in der gleichen Gruppe waren. Weiter kamen die 1. und 2. aus jeder
Gruppe, daneben die besten vier Dritten. Danach gab es eine neue Auslosung und die Kämpfe liefen bis zum Finale durch. Für den 3. Platz gab es einen eigenen Kampf. Mit Pausen ging das Ganze von ca. 13 Uhr bis ca. 19 Uhr.
Das Punktesystem sollte möglichst einfach sein und die Kämpfer dazu animieren Doppeltreffer zu vermeiden. Beides hat ziemlich gut hingehauen. Da es für jeden Kampf einen Hauptschiedsrichter gab (im Finale sogar 2) und 4 'Linienrichter' bestand zumindest in der Vorrunde immer Mangel an Kampfrichtern, aber es war kein Problem sich ein Fähnchen zu schnappen und einzuspringen. Obwohl da vorher nichts eingeteilt wurde, hat das reibungslos funktioniert. 2 Linienrichter waren jeweils für einen der beiden Kämpfer zuständig und haben darauf geachtet, wann und wo dieser einen Treffer abbekommen hat. Das hat anfangs zu Verwirrungen geführt, weil die Linienrichter mit den blauen Fähnchen den Arm hoben, wenn der blaue Kämpfer eins abbekommen hat, der Hauptkampfrichter aber "Punkt für rot" sagen musste. Hört sich einfach an, ist es aber nicht ^__^
Treffer auf die Extremitäten gaben einen "Vorteil", d.h. einen halben Punkt, danach wurde aber weitergekämpft. Erst nach zwei Vorteilen oder einem Treffer auf Kopf oder Rumpf wurde der Kampf unterbrochen. Ein Übertreten der Linie galt auch als ganzer Punkt. In der Vorrunde wurde bis 3 Punkte gekämpft, bzw. bis 3 Doppeltreffer, bei denen der Kampf dann unentschieden endete und keiner Punkte bekam. Ist aber so weit ich weiß nur einmal vorgekommen. Je näher es an das Finale ranging, desto mehr Punkte musste man sich holen, wobei die Zahl der erlaubten Doppeltreffer aber gleich blieb.
Der Hauptkampfrichter hat den Kampf nach einem Punkt mit seiner Trillerpfeife unterbrochen, bzw. versucht zu unterbrechen, denn immer wieder waren Kämpfer so sehr in Aktion, dass sie das nicht mitbekommen haben.
Gekämpft wurde mit Fechtfedern oder flexiblen Metallschwertern, wobei die meisten Fechtfedern hatten. Die Kämpfe waren sehr unterschiedlich. Vor allem in der Vorrunde waren ein paar sehr schnell vorbei, im
Finale gabs einen richtigen Krimi, da gings dann nur noch um einen halben Punkt, wobei auch die Doppeltreffer schon ausgereizt waren. Auch vom Niveau waren die Kämpfe sehr unterschiedlich. Ich hab ein
paar wunderschöne Angriffe im Indes gesehen aber auch zwei oder drei üble Gerangel, bzw. "Ich schmeiß dich einfach aus dem Ring"-Aktionen.
Verletzungen gab es meines Wissens keine, die über die üblichen dicken Knöchel, Prellungen und angeritzte Haut hinausgegangen wären. Das Spektakulärste war ein blutiges Kinn nach einem Stich auf die Maske.
Mich hat es am Daumen erwischt, weil ich genau zwischen zwei Polstersegmente meines Handschuhs getroffen wurde.
Insgesamt war die Stimmung sehr gut und das Turnier war explizit als Freundschaftsturnier angekündigt, das dazu dienen soll, weitere Kontakte zu schaffen. Es wurde ein gemeinsames Freikampftraining angeregt, weil es in den meisten Vereinen immer nur ein paar Leute gibt, die gerne Freikampf machen und man sich da schon in- und auswendig kennt.
Zusammengafasst: Schön war's, die Stimmung war super und ich hab wieder einiges gelernt. Wer organisiert das nächste offene Turnier? ^__^
Es standen zwei Hallen mit Kampfflächen von je 7 x 7 Metern zur Verfügung, die Vorrundenkämpfe fanden parallel statt, ab dem 8el-Finale nur noch in einer Halle.
Zu Beginn des Turniers wurden die Teilnehmer in die Gruppen A - F eingelost, worauf man darauf geachtet hat, dass gleiche Schulen nicht in der gleichen Gruppe waren. Weiter kamen die 1. und 2. aus jeder
Gruppe, daneben die besten vier Dritten. Danach gab es eine neue Auslosung und die Kämpfe liefen bis zum Finale durch. Für den 3. Platz gab es einen eigenen Kampf. Mit Pausen ging das Ganze von ca. 13 Uhr bis ca. 19 Uhr.
Das Punktesystem sollte möglichst einfach sein und die Kämpfer dazu animieren Doppeltreffer zu vermeiden. Beides hat ziemlich gut hingehauen. Da es für jeden Kampf einen Hauptschiedsrichter gab (im Finale sogar 2) und 4 'Linienrichter' bestand zumindest in der Vorrunde immer Mangel an Kampfrichtern, aber es war kein Problem sich ein Fähnchen zu schnappen und einzuspringen. Obwohl da vorher nichts eingeteilt wurde, hat das reibungslos funktioniert. 2 Linienrichter waren jeweils für einen der beiden Kämpfer zuständig und haben darauf geachtet, wann und wo dieser einen Treffer abbekommen hat. Das hat anfangs zu Verwirrungen geführt, weil die Linienrichter mit den blauen Fähnchen den Arm hoben, wenn der blaue Kämpfer eins abbekommen hat, der Hauptkampfrichter aber "Punkt für rot" sagen musste. Hört sich einfach an, ist es aber nicht ^__^
Treffer auf die Extremitäten gaben einen "Vorteil", d.h. einen halben Punkt, danach wurde aber weitergekämpft. Erst nach zwei Vorteilen oder einem Treffer auf Kopf oder Rumpf wurde der Kampf unterbrochen. Ein Übertreten der Linie galt auch als ganzer Punkt. In der Vorrunde wurde bis 3 Punkte gekämpft, bzw. bis 3 Doppeltreffer, bei denen der Kampf dann unentschieden endete und keiner Punkte bekam. Ist aber so weit ich weiß nur einmal vorgekommen. Je näher es an das Finale ranging, desto mehr Punkte musste man sich holen, wobei die Zahl der erlaubten Doppeltreffer aber gleich blieb.
Der Hauptkampfrichter hat den Kampf nach einem Punkt mit seiner Trillerpfeife unterbrochen, bzw. versucht zu unterbrechen, denn immer wieder waren Kämpfer so sehr in Aktion, dass sie das nicht mitbekommen haben.
Gekämpft wurde mit Fechtfedern oder flexiblen Metallschwertern, wobei die meisten Fechtfedern hatten. Die Kämpfe waren sehr unterschiedlich. Vor allem in der Vorrunde waren ein paar sehr schnell vorbei, im
Finale gabs einen richtigen Krimi, da gings dann nur noch um einen halben Punkt, wobei auch die Doppeltreffer schon ausgereizt waren. Auch vom Niveau waren die Kämpfe sehr unterschiedlich. Ich hab ein
paar wunderschöne Angriffe im Indes gesehen aber auch zwei oder drei üble Gerangel, bzw. "Ich schmeiß dich einfach aus dem Ring"-Aktionen.
Verletzungen gab es meines Wissens keine, die über die üblichen dicken Knöchel, Prellungen und angeritzte Haut hinausgegangen wären. Das Spektakulärste war ein blutiges Kinn nach einem Stich auf die Maske.
Mich hat es am Daumen erwischt, weil ich genau zwischen zwei Polstersegmente meines Handschuhs getroffen wurde.
Insgesamt war die Stimmung sehr gut und das Turnier war explizit als Freundschaftsturnier angekündigt, das dazu dienen soll, weitere Kontakte zu schaffen. Es wurde ein gemeinsames Freikampftraining angeregt, weil es in den meisten Vereinen immer nur ein paar Leute gibt, die gerne Freikampf machen und man sich da schon in- und auswendig kennt.
Zusammengafasst: Schön war's, die Stimmung war super und ich hab wieder einiges gelernt. Wer organisiert das nächste offene Turnier? ^__^
Sonntag, 21. Oktober 2012
Schwerttagung Freiburg 19. / 20.10.2012
Zusammenfassung Schwertsymposium
Freiburg 19./20. Oktober 2012
Panel 1
Vom Panel 1 am Freitag ist bei mir
nicht viel hängen geblieben, z.T. weil ich mit etwas Verspätung
eingetroffen bin und z.T., weil mich die Epoche(n) nicht so sehr
interessiert haben.
Aber immerhin hab ich gelernt:
- dass die Schwerter der Griechen von
den „Barbaren“ beeinflusst wurden, sich aus den gebogenen
Vorbildern aber eigene Formen entwickelten.
- dass man aufpassen sollte, wann man
„Damaszierung“ und wann „Musterschweißen“ sagt und dass
Schwerter, die einen Kern aus miteinander verdrehten und
verschweißten Eisen/Stahltäben nicht gut sind, weil sie so
hergestellt wurden, sondern obwohl sie so hergestellt wurden.
- Dass Schwerter immer wieder repariert
und umgestaltet wurden und dass man dabei nicht immer zimperlich
umgegangen ist.
Den Abschluss des 1. Panels bildete der
Vortrag von Roland Warzecha und Ingo Petri über über den Wandel der
Form / Funktion vom Spatha zum mittelalterlichen Schwert mit
deutlicher Kreuzform.
Sie demonstrierten, dass ein in der
Mitte gehaltener flacher Rundschild sich leicht auf die eine oder
andere Seite drücken lässt, also nicht dazu verwendet wurde einen
Schlag abzufangen, sondern den Gegner mit der Schildkante
anzugreifen. Dadurch war das Schild vor einem Angriff immer vorn und
die Schwerthand durch den Schild geschützt.
Ein gebogener Schild bot aber mehr
Schutz gegen Speere und Pfeile. Er konnte dafür schlecht als
Offensivwaffe eingesetzt werden und blieb nah am Körper. Die
Schwerthand war also beim Angriff ungeschützt und die Parierstange
musste einen Teil der Schutzwirkung des Schwerts übernehmen.
→ Ein Schwert konnte optimal auf
seine Verwendung abgestimmt werden.
Es stimmt übrigens nicht, dass
Schwerter mit breiter Spitze nicht zum Stechen geeignet sind, sie
bleiben nur nicht so schnell in Knochen stecken …
Panel 2
Da soll noch einer sagen Schwertkämpfer
wären verrückt. Als erstes hab ich hier gelernt, dass man seinem
Bronzeschwert mit vergorenem Eigenurin eine Patina geben kann (wenn
man das denn unbedingt will …) und es wurde darüber diskutiert,
was es für einen Sinn macht Bronze mit Gold zu Tauschieren, wenn die
beiden Materialien poliert die gleiche Farbe haben.
Außerdem standen als „Vogelbarken“
bezeichnete Verzierungen auf unenfelderzeitlichen Vollgriffschwertern
auf dem Plan und die Stempelmarken auf Schwertern der Latènezeit.
Bei beiden kann man wild über Bedeutungen und Gründe spekulieren.
Danach ging es um die Kultschwerter aus
dem Mithraskult, u.a. ein Theaterschwert mit Bügel, dass man sich um
die Brust schnallen konnte, so dass es von der Seite aussah als wäre
man durchbohrt worden.
Panel 3
Die praktische und symbolische
Bedeutung des Schwerts im Bürgerkrieg zwischen Cäsar und Pombeius
machte den Anfang von Panel 3. Unter Cäsars Soldaten amüsierte man
sich darüber, dass die Soldaten von Pompeius angeblich so eitel
seien, also befahl ihnen Cäsar auf die Gesichter der Feinde zu
zielen.
Interessant fand ich auch den Vortrag
über den Schwerttanz auf mittelalterlichen Bilddenkmälern. In der
Germania wird ein Schwerttanz beschrieben, aber der hat wenig
Ähnlichkeiten mit den modernen Schwerttänzen. Allerdings ist auch
nicht klar, was die Germanen mit ihrem Schwerttanz gemacht haben.
Übung? Initiationsritus? Volksbelustigung?
Danach ging es um Beschreibungen von
Schwertern in der Fachprosa ihrer Zeit wobei hier noch weniger
eindeutige Quellen zur Verfügung stehen als bei den Techniken.
Im Anschluss wurde die
Erfolgsgeschichte von Schwert und Buckler vorgestellt, wobei der
Buckler mehr oder weniger bis heute im Einsatz ist.
Den Vortrag über die sprachlichen
Aspekte in den Fechtbüchern kannte ich schon, aber Matthias Bauer
erzählte diesmal nicht nur was über die dialektalen und
geheimsprachlichen Eigenheiten sondern plädierte auch dafür sich in
der wissenschaftlichen Beschäftigung auf eine korrekte Schreibweise
zu einigen.
Den Abschluss des Panels bildete der
Vortrag über den Bürger und das Schwert, in der die Fechtkultur der
Städte im ausgehenden Mittelalter vorgestellt wurde. Damals waren
Fechtschulen so verbreitet wie heute Fussballspiele und jeder Bürger
hatte ein Schwert und andere Waffen im Haus.
Panel 4
Hier wurden weitere Fragen aufgeworfen.
Z.B. was es bedeutete, dass man wahrscheinlich in der Hallstattzeit
auch Frauen mit Schwertern bestattet hatte. Waren die Schwerter ein
Attribut der Frau oder desjenigen, der sie betrauerte? Zumindest ist
klar geworden, dass die Vorstellung von einem Schwertadel als
Vorläufer des Rittertums nicht haltbar ist, da es kaum kleine Kinder
gab, die mit hohem Aufwand bestattet wurden. Ergo wurde der Status
nicht vererbt, man musste ihn sich erwerben.
Danach wurde die Kulturgeschichte des
Schwerttragens vorgestellt und zwar des speziellen Schwerttragens vor
einem König. Das war wohl schon immer ambivalent. Einerseits war es
ein Ehrendienst, andererseits machte man damit deutlich, dass man
sich unter den Herrscher stellte.
Interessant war auch die Entwicklung
der mittelalterlichen Rittererhebung, die wahrscheinlich in Flandern
mit Schwertumgürtung ihren Anfang nahm und sich dann mit Anleihen an
kirchliche Riten weiterentwickelte.
Die Vorstellung meiner Doktorarbeit
bildete den Abschluss.
Zusätzlich gab es einen Abendvortrag
vom Schmied / Künstler Peter Johnsson, der seine Methode vorstellte,
die richtigen Proportionen einen Schwerts zu ermitteln. Dabei
bediente er sich eine Quadrats in einem Kreis, der einen Durchmesser
hatte, der der Länge des Griffs entsprach. Wenn man in das Quadrat
einen weiteren Kreis setzt und immer so weiter kommt man mit ein paar
weiteren mathematischen Tricks auf alle Maße des Schwerts von der
Länge bis zur Anfangsbreite der Klinge, dem Durchmesser des Knaufs
usw.
Gut fand ich, dass Peter immer wieder
darauf hingewiesen hat, dass diese Methode zwar für Ihn
funktioniert, man aber nicht zu sehr nach Mustern suchen darf, weil
man sie sonst bestimmt findet.
Am Sonntag konnte man in einem Dojo
selbst aktiv werden, aber ich bin bereits Samstags abgereist.
Das Niveau war durchweg hoch und neben
(Nachwuchs)wissenschaftlern aus Philologie, Archäologie,
Geschichtswissenschaft usw. waren auch Schmiede, Schwertkämpfer und
Sammler anwesend.
Mittwoch, 22. August 2012
Trainigszusammenfassung 20. August
Ja, es war sehr, sehr warm, aber zum Glück können Holzschwerter nicht schmelzen und fangen an zu rauchen, bevor sie in Flammen aufgehen ...
Nachdem ich am Samstag kurz mit Rosanna und Maxl im Englischen Garten trainiert habe und mir aufgefallen ist, dass wir eine deutlich voneinander abweichende Meinung haben, was die richtige Anfangsdistanz betrifft, wollte ich mir das noch mal genauer anschauen.
Eine Antwort auf die Frage wie nah zu nah ist, habe ich zwar immer noch nicht, aber immerhin eine neue nützliche Übung, mit der man gleich mehrere Sachen trainiert.
Übung:
Wir haben uns in einer Entfernung aufgestellt in der wir uns ohne Schritt nicht erreichen und dann lustig aufeinander losgehauen. Natürlich mit ein paar Regeln. Immer nur ein Schlag, kein unkontrolliertes Loslassen und immer schön auf Teile zielen, die bei einem Treffer nicht so arg kaputt gehen können - also auf den Oberarm.
Aufgabe des Angreifer war es mit voller Geschwindigkeit loszuschlagen, um den Verteidiger zu erwischen.
Der Verteidiger durfte sich logischerweise nicht treffen lassen und ist dafür einfach einen Schritt zurückgegangen. Als Bonus konnte er auch einfach nur stehen bleiben, wenn der Angriff eh zu kurz war.
Ergebnis:
Der Angreifer merkt schnell, wodurch er sich verrät. Zuerst die Spannung erhöhen oder mit dem Schritt beginnen funktioniert nicht. Das Schwert muss sich als erstes bewegen, alles andere ist (zumindest bei uns) zu langsam.
Als Verteidiger war ich überrascht, wie leicht ich aus der Reichweite des Angreifers kommen konnte. Es gab zwar Leute, die extrem weite Schritte gemacht haben, aber nach den ersten Treffern konnte ich mich drauf einstellen und sie haben mich auch bei maximaler Geschwindigkeit nicht mehr erwischt.
Nachdem ich am Samstag kurz mit Rosanna und Maxl im Englischen Garten trainiert habe und mir aufgefallen ist, dass wir eine deutlich voneinander abweichende Meinung haben, was die richtige Anfangsdistanz betrifft, wollte ich mir das noch mal genauer anschauen.
Eine Antwort auf die Frage wie nah zu nah ist, habe ich zwar immer noch nicht, aber immerhin eine neue nützliche Übung, mit der man gleich mehrere Sachen trainiert.
Übung:
Wir haben uns in einer Entfernung aufgestellt in der wir uns ohne Schritt nicht erreichen und dann lustig aufeinander losgehauen. Natürlich mit ein paar Regeln. Immer nur ein Schlag, kein unkontrolliertes Loslassen und immer schön auf Teile zielen, die bei einem Treffer nicht so arg kaputt gehen können - also auf den Oberarm.
Aufgabe des Angreifer war es mit voller Geschwindigkeit loszuschlagen, um den Verteidiger zu erwischen.
Der Verteidiger durfte sich logischerweise nicht treffen lassen und ist dafür einfach einen Schritt zurückgegangen. Als Bonus konnte er auch einfach nur stehen bleiben, wenn der Angriff eh zu kurz war.
Ergebnis:
Der Angreifer merkt schnell, wodurch er sich verrät. Zuerst die Spannung erhöhen oder mit dem Schritt beginnen funktioniert nicht. Das Schwert muss sich als erstes bewegen, alles andere ist (zumindest bei uns) zu langsam.
Als Verteidiger war ich überrascht, wie leicht ich aus der Reichweite des Angreifers kommen konnte. Es gab zwar Leute, die extrem weite Schritte gemacht haben, aber nach den ersten Treffern konnte ich mich drauf einstellen und sie haben mich auch bei maximaler Geschwindigkeit nicht mehr erwischt.
Dienstag, 14. August 2012
Vortrag von Devon Boorman darüber wie man eine erfolgreiche Schwertschule gründet
Hier ein paar Gedanken, die ich beim Vortrag von
Devon Boorman über das Thema "Wie man eine erfolgreiche Schule führt"
mitgeschrieben habe. Devon ist einer der kommunikativsten Leute die ich
kenne, es lohnt sich mit ihm den ein oder anderen Gedanken
auszutauschen.
Er hat vor 8 Jahren die Academia Duello
in Vancouver (Kanada) gegründet und der Laden läuft so bewundernswert
erfolgreich, dass er die eine oder andere Sache richtig gemacht haben
muss. Vielleicht kann man sich ja was von ihm abschauen.
Die Schule: Über das vergangene Jahr sind ungefähr 2000 Leute zur Schule gekommen, ungefähr 200 davon regelmäßig.
Neben
Devon gibt es 24 Trainer und die Schule ist Fr-Sa teilweise von 7 Uhr
(Dampf ablassen und dann ins Büro) bis spät abends geöffnet.
In der letzten Wirtschaftskriese konnte sich die AD ein Gebäude
mitten in Vancouver sichern und hat da neben Trainingsbereichen auch ein
Museum mit verschiedenen Themenschwerpunkten eingerichtet.
Philosophie: "Martial Arts to help people realize what they
are capable of". Devon hat einen starken Coaching / Mentoring -
Hintergrund, der vor allem bei Stunden mit einem personal Trainer zum
Tragen kommt. Ansonsten wirken sich die Werte der Schule vor allem auf
das Angebot aus: Keiner wird ausgeschlossen, den Schülern wird ein
extrem strukturiertes Training angeboten (Devon konnte jetzt schon
sagen, was für ein Training an einem beliebigen Tag nächstes Jahr
stattfinden wird), die Struktur ist wichtiger als die Person (d.h.
selbst wenn Devon morgen beschließt, dass er keine Lust mehr auf die
Schule hat wird sie weiterlaufen) und die gelehrten Techniken richten
sich nach dem Ideal einer "reconstructionist autenticity" und nicht
nach einer "revivalionist autenticity", d.h. es wird von historischen
Quellen ausgegangen, aber Lücken ohne Bedenken gefüllt.
Die Trainingsinhalte der AD sind frei verfügbar, Devon hat keine
Angst, dass ihm jemand was klaut und seine Schüler abspenstig macht.
Gelernte Lektionen:
Devon hatte den ein oder anderen Rückschlag was die Finanzen anbelangt,
weil er sich auf Leute verlassen hat, die nicht wussten, was sie tun.
Bei Versicherungen, Finanzberatung und Rechtsbeihilfe ist er nicht mehr
bereit zu sparen und auch nicht bereit völlig die Verantwortung
abzugeben. Denn wenn hier was im Argen liegt, dann kann das die gesamte
Schule gefährden.
Wenn die richtigen Strukturen da sind, können Leute kommen und
gehen. Mit den richtigen Strukturen werden sie aber auch nicht gehen
wollen. Deswegen ist für Devon das Halten von Trainern / Schülern
wichtiger als die Anwerbung von neuen. Dafür gibt es u.a. einen festen
Lehrplan für Schüler und regelmäßige Treffen für Trainer.
Daneben hat Devon angemerkt, dass es zwar das coolste der Welt ist
sein Geld damit zu verdienen eine Schwertkampfschule zu führen, aber
nichts für Leute, die nur Schwertkampf machen wollen und mit Orga nichts
am Hut haben.
Marketingstrategie: Das wichtigste Werkzeug
für die Werbung sind Aktionen und öffentliche Trainings. "Gebt den
Leuten ein Schwert in die Hand und sie werden sofort merken, ob Ihnen
das gefällt". Printwerbung macht die AD höchstens vor Feiertagen, um
Trainingsgutscheine verkaufen zu können. Ansonsten sind der
Onlineauftritt und die sozialen Netzwerke wichtig. Zitat eines neuen
Schülers: "Eure Werbung war die erste, die ich auf Facebook überhaupt
beachtet habe."
Devon kommt aus der TV-Branche hat da also noch einige Kontakte, die er bedienen kann.
Das
Beeindruckendste war für mich aber der Marketingkalender. Jeden Monat
finden festgelegte Veranstaltungen / Aktionen statt. Entweder was, das
sich anbietet wie Feste, oder wenn man sich nirgends dranhängen kann ein
eigenes Training irgendwo in der Öffentlichkeit.
Dabei haben sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene ihren Platz,
um zu zeigen, dass jeder Schwertkampf machen kann und dass auch jeder
beeindruckend gut werden kann, wenn er Lust hat.
Kurse: Die
Academia Duello bietet diverse Kurse in den unterschiedlichsten
HEMA-nahen Bereichen an, vom Bogenschießen bis zum Bartitsu. Anders als
bei uns wird man kein Vereinsmitglied, sondern kauft ähnlich wie bei
einer VHS einzelne Kurse oder Trainingszeiten, z.B. 4 Stunden im Monat.
Es gibt unterschiedliche Preismodelle von "Du hilfst uns die Halle zu
putzen und kommst dafür umsonst rein" bis "Flatline für völlig
Verrückte". Die Kurse sind teilweise nur 45 Minuten lang, aber Schüler
sind selbst für Aufwärmen / Abdehnen verantwortlich und können meist
mehrere Stunden, die thematisch zusammenpassen aneinanderhängen. Für
jeden Kurs gibt es eine Video-Zusammenfassung der Themen, die der
Trainer nutzen kann um seine Stunde vorzubereiten oder die ein Schülern
sich anschaut, um sich daran zu erinnern. Außerdem kann man sich
anmelden um auf sämtliche Videos zuzugreifen und hat damit so was wie
einen Fernkurs im Schwertkampf etc.
Eindrücke von den workshops auf der WWOC 2012
Für alle, die nicht dabei sein konnten
hier eine kurze Zusammenfassung meiner Eindrücke, die ich bei den
Workshops vor der Word Wide Open Longsword and Rapier Championships
(4. August – 11. August) sammeln konnte. Ich habe ungefähr 1000
neue Ideen und Erkenntnisse mitgenommen und es wird einige Zeit
dauern, bis ich meine Notizen aufbereitet habe, aber wenn euch eines
der unten angesprochenen Themen interessiert, lasst es mich wissen.
Um was geht’s?
Alle zwei Jahre (2012 zum dritten Mal)
veranstaltet die Schwertkampfschule Arts of Mars von Colin Richards
eine offene Meisterschaft für HEMA-Waffen wie Schwert, Rapier,
Schwert & Buckler etc. in verschiedenen Abwandlungen wie Kampf
mit Nylonwaffen oder Fechtfedern. Vor dem dreitägigen Wettkampf
fanden an 3,5 Tagen parallel 44 Workshops zu je ca. 1,5 Stunden
statt. Darüber hinaus noch Vorträge, Schnittests und freies
Sparring.
Die Veranstaltung war inklusive
Übernachtung und Verpflegung, die Workshops fanden entweder gleich
in / neben der Unterkunft statt oder in der Turnhalle, die einen
Kilometer weit weg war.
Teilnehmer
Die WWOC ist wahrscheinlich das
wichtigste Event seiner Art in Deutschland und ungefähr auf einer
Ebene wie das Dreynevent, Swordfish und Dijon. Es ging
dementsprechend international zu: Von Südafrika bis Kanada waren
Schwertkämpfer vertreten, ich glaube sogar auch welche aus
Australien. Insgesamt dürften etwa 60 – 70 Leute da gewesen sein,
vom Experten auf ihrem Gebiet, bis zu einer absoluten Anfängerin,
die zuvor noch nie ein Schwert in der Hand hatte.
Materialien
Dolch: Alles mögliche vom Nylondolch
über Holzdolche bis zu gepolsterten Trainingswaffen.
Rapier: Stahl
Dussak: Leder mit Kunststoffkern
Schwert und Buckler: Stahl
Langes Schwert: Überwiegend Nylon
(meistens die Actionflex-Schwerter), aber daneben auch Stahlwaffen
und Fechtfedern
Die Workshops
Ich war bei insgesamt 14 Workshops /
Vorträgen, meist bei unterschiedlichen Trainern. Im Folgenden die
interessantesten:
Devon Boorman
Fiore Dagger
Hier ging es vor allem um Grundlagen im
(Nah)kampf. Devon Boorman, von dem noch zwei mal die Rede sein wird
hat vorgeführt, wie man die drei Zentren (das eigene, das des
Gegners und das des Kampfes) und Prinzipien der Körpermechanik
(Arbeiten mit der Schwerkraft oder im „beach ball of power“)
nutzen kann, um einen Vorteil zu bekommen. Darauf folgte eine
Einführung in die drei Schlüssel von Fiore dei Liberi
(http://en.wikipedia.org/wiki/ Fiore_dei_Liberi),
womit die drei Armstellungen des Gegners bezeichnet werden, die man
nutzen kann, um einen Hebel anzuwenden. Das Ganze wurde dann in zwei
Dolchabwehrdrills geübt.
Dave Rawlings
Longsword
Der zweite Workshop war ein
Drill-Workshop. Zuerst eine Kombination, in der die vier schrägen
Häue mit der langen Schneide aneinandergehängt wurden, dann das
gleiche mit der kurzen Schneide. Vor allem die kurze Schneide hat
einiges an ungenutztem Potential, was sich in den nachfolgenden zwei
Partnerübungen gezeigt hat.
Muskelkatergarantie gewürzt mit Daves
unvergleichlich trockenem Humor.
James Roberts
Joachim Meyer Longsword
In diesem Schritt wurde in 5 bzw. 6
aufeinander aufbauenden Schritten geübt den Gegner anzugreifen und
immer mehr zu verwirren: Dabei ging es vor allem darum in Bewegung zu
bleiben und ein Auge dafür zu bekommen, was wirksam ist und was
nicht.
1. Einfache Angriffe
2. Zurückgezogene und danach
umgeleitete Angriffe
3. Unter der Parade durchgezogene
Angriffe
4. Anbinden und Wechsel der Schneide
mit einem Schritt
5. Anbinden und Wechsel der Höhe mit
einem Schritt
6. Winden am Schwert
Bei den ersten 5 bleibt die
Angriffslinie zum Gegner möglichst geschlossen, man versucht sich
also selbst zu schützen, beim Winden begibt man sich in gefährliche
Nähe zum gegnerischen Schwert.
In einem zweiten Workshop wurde das
Ganze von der Seite des Verteidigers aus betrachtet. Hier ging's vor
allem darum nicht statisch zu bleiben und der eigenen Technik so weit
zu vertrauen, dass schon minimale Winkel- oder Reichweitenvorteile
ausreichen um einen Treffer zu landen. Lustigerweise sah eine seiner
Partnerübungen ganz ähnlich aus wie der Anfang von Drill 1.
Devon Boorman
How to make a successful club
Devon Boorman hat in seinem Vortrag
kurz umrissen, wie sich seine Schule seit der Gründung vor 8 Jahren
entwickelt hat und was für ihn die wirkungsvollsten Maßnahmen auf
dem Weg zu 24 Trainern und 200 ständigen bzw. ein paar tausend
gelegentlichen Trainierenden pro Jahr waren. Er hat eine ganze Menge
Tipps dafür gegeben, wie man Leute für Schwertkampf begeistern kann
und das Schöne ist, dass er die entsprechenden Daten hat, um das
nicht nur aus dem Bauch heraus zu sagen. Außerdem fand ich den
Trainingsplan seiner Schule ziemlich beeindruckend. Der umfasst nicht
nur so ziemlich alles, was man sich an HEMA-Waffen wünschen kann,
sondern auch Reitstunden. Außerdem ist er so detailliert
ausgearbeitet, dass man heute schon nachschauen kann, welche Stunden
in einem Jahr stattfinden werden und mit welchem Inhalt.
Ach so: Außerdem hat die Academia
Duello ein eigenes Schwertkampf-Museum. Nach dem Vortrag habe ich
spontan überlegt nach Vancouver auszuwandern … ^__^
Colin Richards
Guards as structures
Colin hat damit angefangen, dass man
das Schwert nicht grundsätzlich in der Hammerhaltung, d.h. im
90°-Winkel greifen sollte, sondern vor allem mit den vermeintlich
schwachen Ring- und kleinem Finger. Für Stabilität sollte immer die
Geometrie der Arme/Hände sorgen, für Stärke und Geschwindigkeit
die starken Muskeln des Körpers.
Zum Test wurde mit voller Härte auf
die Hut Kron geschlagen. Wenn sich der Verteidiger dabei anstrengen
muss, macht er was falsch.
Außerdem wurde Colin nicht müde zu
betonen, dass eine Bewegung, die nicht in einer Hut endet oder
beginnt in der Regel Schwachsinn ist, ebenso eine Hut in der man
verharrt.
Dazu gab es noch zwei Übungen, die in
Richtung Fühlen am Schwert gingen und mit denen man sich an den
richtigen Druck am Schwert annähern konnte. In einem späteren
Workshop bei Stefan Roth gings in die Richtung weiter.
Axel Petterson
Longsword (Sparring) Coaching
Ich war in der ersten Stunde von Axel
in der es auch um Sparring ging nicht dabei und hab mir damit einige
blaue Flecken erspart. In diesem Workshop sind wir zwar auch im
Sparring gegeneinander angetreten, aber der Fokus lag auf das
Coaching. Zwei haben gegeneinander gefochten, der dritte hat einem
der beiden während dem Kampf Tipps gegeben. Das wurde danach in
einem Kampf gegen ein anderes Team noch ein wenig mehr an richtige
Wettkampfbedingungen angenähert. Axel hat ein paar Hinweise gegeben
worauf man dabei achten sollte, aber allein mal zu versuchen jemandem
der gerade wörtlich beide Hände voll zu tun hat mit guten
Ratschlägen weiterzuhelfen war eine interessante Erfahrung.
Bart Balczak
Winden
Bart ist auf die Prinzipien
eingegangen, die einem in Kampf die bessere Position geben (Stärke
auf Schwäche, Schneide auf Fläche, Spitze zum Gegner, eigene Klinge
über der Klinge des Gegners) und hat am Ende als Schmankerl noch
zwei Konter gegen das Winden gezeigt, die zwar im Kampf sehr
unwahrscheinlich aber dafür um so lustiger sind.
Szabolcs Waldman
Das Konzept der Tempi in der
italienischen Schule
„Sir, yes, Sir!“-Szabo hat eine
Einführung in die italienische Schwertschule genauer gesagt in das
Konzept der Tempi gegeben. Ein Tempo entspricht einer Aktion im
Kampf, woraus man eine schöne Partnerübung machen kann: Einer der
Partner hat 2 Tempi zur Verfügung, der andere 3. Man sollte
annehmen, dass der mit 3 Tempi meistens der Gewinner ist, schließlich
darf er nochmal zuschlagen, wenn der andere schon stillhalten muss,
in der Regel endet diese Übung aber anfangs beim 1. oder 2. Schlag
mit einem Doppeltreffer. Und Doppeltreffer bedeutet Liegestütze für
beide ^___^.
Und weil ich Szabo so sympathisch fand
habe ich gleich einen zweiten Workshop bei ihm besucht, in dem er die
Fechtmethode von Gérard Thibault
(http://en.wikipedia.org/wiki/ G%C3%A9rard_Thibault_d% 27Anvers)
vorgestellt hat. Einiges daran (und an Thibault selbst, der 1627 auf
dem Scheiterhaufen endete) ist erst einmal ziemlich
gewöhnungsbedürftig, aber es macht (mathematisch begründet) Sinn
und Thibault hatte die coolsten Konter der gesamten Veranstaltung zu
bieten.
Trainingszusammenfassung 13. August
Das Thema waren Grundlagen. Ich hatte noch ziemlich viel von dem im Kopf, was ich bei den Lehrgängen der Arts of Mars WWOC gehört habe und eine Erkenntnis, die ich unbedingt im Training umsetzten wollte war auf Körpermechanik, sicheren Stand usw. einzugehen, indem ich mit einfachen Ring-Techniken anfange.
Erstens wird man dadurch warm und zweitens lernt man so, wie man seine Füße zu platzieren hat.
Also haben wir mit einfachem Schieben angefangen und der der geschoben wird hatte nur darauf zu achten, dass er sich eine Stellung aussucht in der er möglichtst wenig tun muss.
Danach haben wir das auf das Schwert übertragen. Wie muss ich mein Schwert und meinen Körper platzieren, damit mein Gegenüber mich nciht eindrücken kann?
Nächste Grundlage war die Distanz: Jeweils vom Angreifer als auch vom Verteidiger aus gesehen sollte man schauen, ob man die Länge seines Schwertes richtig einschätzt. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich oft daneben gelegen habe. Beim Versuch einzuschätzen, wann mich ein Schwert trifft sowieso, aber auch beim Versuch meinen Angriff dann zu starten, wenn mein Gegenüber genau in der richtigen Distanz ist. Ich hab ihn meistens zu nah herankommen lassen.
Damit es nicht langweilig wird haben wir als nächstes je einen Angriffsroboter gegen einen Verteidiger antreten lassen. Der Angreifer hört erst dann auf anzugreifen, wenn der Verteidiger getroffen ist, macht es aber langsam und beschränkt sich auf immer nur einen Angriff mit Pause. Ziel des Ganzen ist es, dass man im Fluss bleibt und ein Gefühl dafür bekommt, wie man kontinuierlichen Angriffen am besten begegnet. Das gleiche Spiel funktioniert auch mit Sonderaufgaben, z.B. nur mit der kurzen Schneide zu parieren, immer aus der Angriffslinie zu treten etc.
Als Abschluss haben wir noch einen Konter gegen ein Winden geübt.
Erstens wird man dadurch warm und zweitens lernt man so, wie man seine Füße zu platzieren hat.
Also haben wir mit einfachem Schieben angefangen und der der geschoben wird hatte nur darauf zu achten, dass er sich eine Stellung aussucht in der er möglichtst wenig tun muss.
Danach haben wir das auf das Schwert übertragen. Wie muss ich mein Schwert und meinen Körper platzieren, damit mein Gegenüber mich nciht eindrücken kann?
Nächste Grundlage war die Distanz: Jeweils vom Angreifer als auch vom Verteidiger aus gesehen sollte man schauen, ob man die Länge seines Schwertes richtig einschätzt. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich oft daneben gelegen habe. Beim Versuch einzuschätzen, wann mich ein Schwert trifft sowieso, aber auch beim Versuch meinen Angriff dann zu starten, wenn mein Gegenüber genau in der richtigen Distanz ist. Ich hab ihn meistens zu nah herankommen lassen.
Damit es nicht langweilig wird haben wir als nächstes je einen Angriffsroboter gegen einen Verteidiger antreten lassen. Der Angreifer hört erst dann auf anzugreifen, wenn der Verteidiger getroffen ist, macht es aber langsam und beschränkt sich auf immer nur einen Angriff mit Pause. Ziel des Ganzen ist es, dass man im Fluss bleibt und ein Gefühl dafür bekommt, wie man kontinuierlichen Angriffen am besten begegnet. Das gleiche Spiel funktioniert auch mit Sonderaufgaben, z.B. nur mit der kurzen Schneide zu parieren, immer aus der Angriffslinie zu treten etc.
Als Abschluss haben wir noch einen Konter gegen ein Winden geübt.
Dienstag, 13. Dezember 2011
50jähriges Jubiläum - eine Zukunftsvision
50 Jahre sind ins Land gegangen, seit sich die Urväter (und Mütter) der NMGSMSKSKBAFFM (Nicht mehr ganz so moderne Schwertkunst und Schwertkampfkunst in Bayern und anderswo für Frauen und Männer) irgendwo in einem Vorort von München getroffen haben, um die beinahe olympische Sportart aus der Taufe zu heben.
Zum großen Jubiläum lud der VNMGSMSKSKBAFFM (Verband für nicht mehr ganz so moderne Schwertkunst und Schwertkampfkunst in Bayern und anderswo für Frauen und Männer) wichtige Vertreter der Sportart aus aller Welt auf eine zum Sperrgebiet erklärte Insel vor der niederländischen Küste (Codename "Avalon"), um unter dem traditionellen Motto "Zukunft und Perspektiven der NMGSMSKSKBAFFM" den Grundstein für das weitere Wachstum der Sportart zu legen.
Dabei musste die NMGSMSKSKBAFFM vor allem in den letzten Jahren herbe Rückschläge hinnehmen. Unter der zunehmenden weltweiten Ölknappheit hatte auch die Schwertindustrie arg zu leiden und so kamen Stimmen auf, die einen Wechsel von den Nylon-Carbon-Hartkern-Weichspitzen-Schwertern zurück zu traditionelleren Materialien wie Holz oder sogar Stahl (ja, manche wagten es, das S-Wort laut auszusprechen) vorschlugen. Auch die zahlreichen Fraktionen und Splittergruppen im VNMGSMSKSKBAFFM versuchten am Thron des Präsidiums zu sägen. Vor allem der konservative Block tat sich hier hervor, aber auch der inzwischen mit Bann belegte "Club der Schwertbastler" hatte da mit seinen Sägeblattschwertern beinahe Erfolg.
Überhaupt waren "Tradition" und "Rückbesinnung" wichtige Schlagworte, die man eigentlich in allen Workshops und Diskussionen hören konnte. Deshalb verwundert es nicht, dass der Verbandspräsident des VTMSK (Verband für traditionelle Moderne Schwertkunst), der leicht an seinem grauen Karateanzug und der weißen Schärpe zu erkennen war, ständig im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stand.
"Zum 1000sten Mal: Das ist keine weiße Schärpe. Das ist eine rote Schärpe, aber halt schon total ausgeblichen.", gestand er zu Beginn eines Gesprächs über das Für und Wieder von Schärpen vs. Karategürteln. "Als vor 35 Jahren das Gürtelsystem des Karate übernommen habe, war für mich das Maß voll und ich habe den VTMSK gegründet. Seitdem habe ich weder meinen Gi noch meine Schärpe ausgezogen. Es wird Zeit, dass auch die anderen begreifen, dass das kein Sport ist, sondern eine Lebensart."
"Nein, eine Religion! Bei Crom, es gibt nur einen Gott und Liechtenauer ist sein Prophet!", erboste sich sofort das Oberhaupt von Swordfightology aus den USA, der nach eigener Aussage auf einem Schwertwal zum Jubiläum angereist war.
Es ist leicht verständlich, dass da inhaltliche Fragen leicht ins Hintertreffen gerieten. So konnte auch diesmal nicht verbindlich geklärt werden, ob man sich beim Verbeugen vor dem Training auf einen bestimmten Punkt auszurichten habe (Lichtenau, Aufenthaltsort des Stilrichtungsgründers, Solingen) oder nicht. Der als EKEE (Erleuchtetes Komitee für Extremmeditation und Energiearbeit) bekannte Zusammenschluss von Ex-Yogalehrern und Mystikern lehnte die Verbeugung sogar grundlegend ab, da es im Training nur und ausschließlich auf die Meditation ankäme.
Auch der Sponsorenvertrag mit Wilkinson konnte nur unter vehementem Protest des SGGB (Sondergremium für Genderfragen und Benachteiligungsprävention) verlängert werden. Die Sprecherin: "Es ist eine Frechheit, dass Mann einfach so voraussetzt, dass wir Klingen nur dazu verwenden könnten uns die Beine zu rasieren!"
In einer Eilsitzung bebschloss der VNMGSMSKSKBAFFM diese Angelegenheit mit einem offiziellen Entschuldigungsschreiben zu bereinigen. Zu diesem Zweck wurde eine Projektgruppe gegründet, die sich derzeit über die Möglichkeiten der Portobeschaffung und das richtige Papier berät.
Als wichtiger Durchbruch kann die Veröffentlichung der Prüfungsordnung zur vorbereitenden Prüfung auf die Prüfung zum Orangegurt (ehemals Grad 1) gewertet werden, die nun erstmals auch in der übersetzten Version ins Englische vorliegt. Um einen einheitlichen sprachlichen Standard herzustellen wurde dabei bei Fachbegriffen erstmals auf eine Übersetzung verzichtet. Mancher englische Muttersprachler wird sich zwar zunächst mit Ausdrücken wie "stick up" oder "sit-up" schwer tun, aber die "Projektgruppe für feiner Deutsch" arbeitet bereits an einem umfassenden Wörterbuch.
Überhaupt konnte mit einer speziellen Schulung für ausgewählte Honoratioren der Sinn von Prüfungen wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden. Vor den zwei anwesenden Prüfern (einer hatte sich verlaufen und sollte dann nicht einfach vor die Tür gesetzt werden, wo er schon mal da war) wurde ausgesprochen, was viele bereits ahnten: Prüfungen sind dazu da die jeweils nächste Version des Prüfungsprogramms auf seine Umsetzbarkeit zu testen und die Überlegenheit der Prüfer zu beweisen.
Es dürfte ein herber aber leider notwendiger Verlust für die Schwertkampfwelt sein, dass davon niemand etwas mitbekommen wird, bis er unversehens in eine Prüfung stolpert.
Apropros stolpern: In einem Workshop, der zwar schweineteuer war, aber allgemein mit großem Applaus aufgenommen worden ist gab Klug Saissa, der mal einen Bekannten hatte, der seine Frau vom Training bei einem unglaublich tollen chinesischen Kung Fu Meister abgeholt hat und laut eigener Aussage alle schwarzen Gürtel in sämtlichen Kampfsportarten besitzt, Einblicke in die hohe Kunst des Drunken Fencing. Nach einigen Flaschen Hochprozentigem führte er die Form "Honig-Met, der in den Kopf steigt" vor und brach dann bewusstlos zusammen - so viel Hingabe war bisher noch nicht oft zu sehen.
Gleichzeitig wurden zwei weitere Formen vorgestellt: Die Form "1000 kleine Dinge, auf die es ankommt, aber die sich keiner merken kann", die traditionell mit einem Kopfhörer gelaufen wird, über den die unzähligen Teile der Form vorgelesen werden und die "Form 0", die komplett imaginär gelaufen wird.
Auch das NMGSMSKSKBAFFM-Rollenspiel kam gut an. Da in einigen Vereinen sowieso mehr diskutiert als tatsächlich etwas getan wurde, packte man das einfach in würfelfreundliche Regeln und voila! ein neuen Erfolg war geboren.
Eine Fülle von Angeboten, die die meisten Sportler voller Begeisterung und auch ein wenig ratlos zurückgelassen hat. Völlig verwirrt war auch eine Gruppe von Schwertkämpfern, die frisch dazugekommen sind und die einfach nur Spaß mit Leuten haben wollte.
Zum großen Jubiläum lud der VNMGSMSKSKBAFFM (Verband für nicht mehr ganz so moderne Schwertkunst und Schwertkampfkunst in Bayern und anderswo für Frauen und Männer) wichtige Vertreter der Sportart aus aller Welt auf eine zum Sperrgebiet erklärte Insel vor der niederländischen Küste (Codename "Avalon"), um unter dem traditionellen Motto "Zukunft und Perspektiven der NMGSMSKSKBAFFM" den Grundstein für das weitere Wachstum der Sportart zu legen.
Dabei musste die NMGSMSKSKBAFFM vor allem in den letzten Jahren herbe Rückschläge hinnehmen. Unter der zunehmenden weltweiten Ölknappheit hatte auch die Schwertindustrie arg zu leiden und so kamen Stimmen auf, die einen Wechsel von den Nylon-Carbon-Hartkern-Weichspitzen-Schwertern zurück zu traditionelleren Materialien wie Holz oder sogar Stahl (ja, manche wagten es, das S-Wort laut auszusprechen) vorschlugen. Auch die zahlreichen Fraktionen und Splittergruppen im VNMGSMSKSKBAFFM versuchten am Thron des Präsidiums zu sägen. Vor allem der konservative Block tat sich hier hervor, aber auch der inzwischen mit Bann belegte "Club der Schwertbastler" hatte da mit seinen Sägeblattschwertern beinahe Erfolg.
Überhaupt waren "Tradition" und "Rückbesinnung" wichtige Schlagworte, die man eigentlich in allen Workshops und Diskussionen hören konnte. Deshalb verwundert es nicht, dass der Verbandspräsident des VTMSK (Verband für traditionelle Moderne Schwertkunst), der leicht an seinem grauen Karateanzug und der weißen Schärpe zu erkennen war, ständig im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stand.
"Zum 1000sten Mal: Das ist keine weiße Schärpe. Das ist eine rote Schärpe, aber halt schon total ausgeblichen.", gestand er zu Beginn eines Gesprächs über das Für und Wieder von Schärpen vs. Karategürteln. "Als vor 35 Jahren das Gürtelsystem des Karate übernommen habe, war für mich das Maß voll und ich habe den VTMSK gegründet. Seitdem habe ich weder meinen Gi noch meine Schärpe ausgezogen. Es wird Zeit, dass auch die anderen begreifen, dass das kein Sport ist, sondern eine Lebensart."
"Nein, eine Religion! Bei Crom, es gibt nur einen Gott und Liechtenauer ist sein Prophet!", erboste sich sofort das Oberhaupt von Swordfightology aus den USA, der nach eigener Aussage auf einem Schwertwal zum Jubiläum angereist war.
Es ist leicht verständlich, dass da inhaltliche Fragen leicht ins Hintertreffen gerieten. So konnte auch diesmal nicht verbindlich geklärt werden, ob man sich beim Verbeugen vor dem Training auf einen bestimmten Punkt auszurichten habe (Lichtenau, Aufenthaltsort des Stilrichtungsgründers, Solingen) oder nicht. Der als EKEE (Erleuchtetes Komitee für Extremmeditation und Energiearbeit) bekannte Zusammenschluss von Ex-Yogalehrern und Mystikern lehnte die Verbeugung sogar grundlegend ab, da es im Training nur und ausschließlich auf die Meditation ankäme.
Auch der Sponsorenvertrag mit Wilkinson konnte nur unter vehementem Protest des SGGB (Sondergremium für Genderfragen und Benachteiligungsprävention) verlängert werden. Die Sprecherin: "Es ist eine Frechheit, dass Mann einfach so voraussetzt, dass wir Klingen nur dazu verwenden könnten uns die Beine zu rasieren!"
In einer Eilsitzung bebschloss der VNMGSMSKSKBAFFM diese Angelegenheit mit einem offiziellen Entschuldigungsschreiben zu bereinigen. Zu diesem Zweck wurde eine Projektgruppe gegründet, die sich derzeit über die Möglichkeiten der Portobeschaffung und das richtige Papier berät.
Als wichtiger Durchbruch kann die Veröffentlichung der Prüfungsordnung zur vorbereitenden Prüfung auf die Prüfung zum Orangegurt (ehemals Grad 1) gewertet werden, die nun erstmals auch in der übersetzten Version ins Englische vorliegt. Um einen einheitlichen sprachlichen Standard herzustellen wurde dabei bei Fachbegriffen erstmals auf eine Übersetzung verzichtet. Mancher englische Muttersprachler wird sich zwar zunächst mit Ausdrücken wie "stick up" oder "sit-up" schwer tun, aber die "Projektgruppe für feiner Deutsch" arbeitet bereits an einem umfassenden Wörterbuch.
Überhaupt konnte mit einer speziellen Schulung für ausgewählte Honoratioren der Sinn von Prüfungen wieder stärker in den Vordergrund gerückt werden. Vor den zwei anwesenden Prüfern (einer hatte sich verlaufen und sollte dann nicht einfach vor die Tür gesetzt werden, wo er schon mal da war) wurde ausgesprochen, was viele bereits ahnten: Prüfungen sind dazu da die jeweils nächste Version des Prüfungsprogramms auf seine Umsetzbarkeit zu testen und die Überlegenheit der Prüfer zu beweisen.
Es dürfte ein herber aber leider notwendiger Verlust für die Schwertkampfwelt sein, dass davon niemand etwas mitbekommen wird, bis er unversehens in eine Prüfung stolpert.
Apropros stolpern: In einem Workshop, der zwar schweineteuer war, aber allgemein mit großem Applaus aufgenommen worden ist gab Klug Saissa, der mal einen Bekannten hatte, der seine Frau vom Training bei einem unglaublich tollen chinesischen Kung Fu Meister abgeholt hat und laut eigener Aussage alle schwarzen Gürtel in sämtlichen Kampfsportarten besitzt, Einblicke in die hohe Kunst des Drunken Fencing. Nach einigen Flaschen Hochprozentigem führte er die Form "Honig-Met, der in den Kopf steigt" vor und brach dann bewusstlos zusammen - so viel Hingabe war bisher noch nicht oft zu sehen.
Gleichzeitig wurden zwei weitere Formen vorgestellt: Die Form "1000 kleine Dinge, auf die es ankommt, aber die sich keiner merken kann", die traditionell mit einem Kopfhörer gelaufen wird, über den die unzähligen Teile der Form vorgelesen werden und die "Form 0", die komplett imaginär gelaufen wird.
Auch das NMGSMSKSKBAFFM-Rollenspiel kam gut an. Da in einigen Vereinen sowieso mehr diskutiert als tatsächlich etwas getan wurde, packte man das einfach in würfelfreundliche Regeln und voila! ein neuen Erfolg war geboren.
Eine Fülle von Angeboten, die die meisten Sportler voller Begeisterung und auch ein wenig ratlos zurückgelassen hat. Völlig verwirrt war auch eine Gruppe von Schwertkämpfern, die frisch dazugekommen sind und die einfach nur Spaß mit Leuten haben wollte.
Dienstag, 22. November 2011
Emisch und etisch
Es gibt unter volkskundlichen Forschern einen Ausdruck, den sie wahrscheinlich von Völkerkundlern übernommen haben, die nach langen intensiven Studien zu dem wurden, was sie erforscht haben: "going native".
Um eine fremde Kultur zu erforschen und sie wirklich zu verstehen ist es zum Teil notwendig sie 'emisch' zu betrachten. Das bezeichnet im Gegensatz zu 'etisch' den Blick von innen.
Fachbegriffe hin oder her, es gibt auch den entgegengesetzten Weg, den ich mal "going foreign" nennen möchte. Wie ein Wort, das man 100mal wiederholt plötzlich seltsam klingt wird die eigene Kultur fremd, wenn man sich zu sehr mit ihr beschäftigt.
Und so geht es mir gerade. Ein wichtiger Reiz, der von der Beschäftigung mit dem Schwert oder anderen mittelalterlichen Waffen und deren Techniken vor allem für Trainer (für Trainierende muss ich das noch erörtern) ausgeht, ist die Möglichkeit sich außerhalb des 'Normalen' zu bewegen. Frag jemanden, der sich ein oder zwei Mal in der Woche mit einem schwertähnlichen Objekt in der Hand in eine Halle stellt und er wird dir bestätigen, dass er zumindest ein bisschen verrückt ist - und jede Menge Spaß daran hat.
Darüber hinaus ist der Verdacht des Eskapismus nicht weit. Die meisten Sportler die ich kenne oder von denen ich gehört habe gehen einer geregelten Tätigkeit nach und sind auf dem Weg in ein gutbürgerliches Leben, aber so ganz befriedigend ist das nicht. Schwertkämpfer sind nicht dümmer als andere Leute und haben Augen im Kopf um zu sehen, dass in der Gesellschaft, egal ob man sie jetzt auf das Land bezieht oder einen größeren geographischen Raum manches besser laufen könnte.
Als Rückzugsraum bietet sich eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten an, mit denen man sich ähnlich wie es 'in der Welt da draußen' auch passiert messen kann/muss, aber zu einem anderen Zweck.
Wer eine Partnerübung besser macht bekommt keine Gehaltserhöhung. Wer eine Prüfung besteht bekommt keine Beförderung.
Als Trainer - und zum Teil auch als Schüler - hat man die Möglichkeit eine Welt im kleinen zu erschaffen und wenn schon das große Ziel der Weltherrschaft nicht erreicht werden kann, dann ist das wenigstens eine oftmals funktionierende Alternative. Ich sage bewusst oftmals, weil es nicht genügt Trainer zu sein, um seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen. In meiner Sportart ist das Training traditionell autoritär angelegt, in anderen auch, bzw. entwickelt es sich automatisch in diese Richtung, weil es einfacher ist, wenn einer sagt, was gemacht wird, als wenn 10 oder mehr versuchen sich zu einigen.
Insofern werden bei der Beschäftigung mit dem Schwert vielfach bekannte/gewohnte Strukturen übernommen aber mit anderen Inhalten gefüllt. Es gilt einen Bereich zu schaffen, in dem man seine Komfortzone nicht verlassen muss. Durch den sportlichen Umgang ist es einfacher Berührungsängste zu überwinden, durch die relative Homogenität der Gruppe muss man sich keine Gedanken über die Integration von Ausländern oder Behinderten machen.
Darüber hinaus ist es leicht sich über das Merkmal 'Schwertkämpfer' abzugrenzen. Wer die Vorstellung gegeneinander zu kämpfen grundsätzlich ablehnt - und sei es nur zum Spaß - ist grundsätzlich schon mal außen vor. Wer die selbe Faszination für das Schwert empfindet - egal ob die Gründe dahinter sich ähneln - ist grundsätzlich schon mal sympatisch.
Das ist auch einer der Gründe, warum es so wenig Bestrebungen gibt unter den verschiedenen Gruppen die es gibt voneinander zu Lernen oder in Kontakt zu kommen. Schwertkampf dient der Abgrenzung, so wie viele andere Hobbys auch. Golfer haben ein klar umrissenes Image, das zum Beispiel im konträren Gegensatz zu Kickboxern steht. Dabei sagt der Sport an sich ja noch nichts über den Charakter eines Menschen oder sonst irgend etwas aus. Für Schwertkämpfer muss sich dieses Image in der Gesellschaft erst konkretisieren, 'emisch' hat es aber schon recht klare Konturen. Dabei gibt es aber eine gewaltige Bandbreite, wie man das konkretisieren kann.
Ich war kürzlich in Hamburg und bin an einem Abend von einer gepflegten Unterhaltung bei Tee und Keksen nahtlos in ein Vollkontakttreffen in einer Garage mit Fellen an den Wänden gestolpert. Und obwohl der Umgang mit dem Schwert bzw. allgemeiner historischen europäischen Kampfkünsten unterschiedlicher kaum sein könnte, findet man doch Gemeinsamkeiten. Allen voran das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das bei genauerem Hinsehen auch ziemlich gegenstandslos sein kann. Doch zumindest für ein paar Stunden reicht die Faszination für historische Waffen/Techniken aus, um keine Differenzen aufkommen zu lassen.
Erhellend ist den Sport rund um mittelalterliche Techniken mit anderen Sportarten zu vergleichen, die nicht viel älter sind. Es fällt auf, dass sich Schwertgruppen aus den verschiedensten Gründen an bekannten Mustern orientieren: Sie organisieren sich in Vereinen, schließen Versicherungen ab, erheben Beiträge, halten regelmäßige Trainings ab.
Wie soll es auch anders gehen? Gegenbeispiele wie Parcour, Geocaching oder Surfen zeigen, dass es auch anders geht. Manches ist der Zweckmäßigkeit geschuldet, vieles aber auch einfach dem Selbstverständnis der Sportler. Frag einen Jugendlichen, der sich für Parcour begeistert, ob er einem Verein beitreten will und er wird wahrscheinlich der Meinung sein, dass das uncool ist.
Im Gegensatz zum Schwertkampf funktionieren moderne Trendsportarten grob gesagt nach dem Muster: Global vertreten - lokal ausgeführt - dezentral organisiert.
Schwertkämpfer hingegen sind zwar ebenfalls global vertreten, orientieren sich aber lokal mit einer zentralen Führung. Regelmäßiges Erscheinen im Training ist erwünscht, private Übungstreffen irgendwo im Garten ohne Aufsicht des Trainers eher nicht.
Man schielt mit einem Auge auf etablierte Kampfsportarten, ist aber noch nicht bereit systematisch auf eine entsprechend vergleichbare Größe hinzuarbeiten, weil man dafür den Status des 'anders seins' aufgeben müsste. Karate kann schließlich jeder machen, Schwertkampf ist hingegen nur was für sympathisch Verrückte.
Zurück zu 'going native'. In meiner Sportart musste ich mich erst einmal an die Gepflogenheiten gewöhnen und es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte es sein lassen, weil ich mich nicht damit anfreunden konnte. Jetzt da ich immer deutlicher sehe, was andere Gruppen machen und was der gemeinsame Kern ist, geht es mir wieder so und ich führe die Rituale meines Sports aus wobei ich mir bewusst bin, dass es Rituale sind, deren Form arbiträr ist.
Um eine fremde Kultur zu erforschen und sie wirklich zu verstehen ist es zum Teil notwendig sie 'emisch' zu betrachten. Das bezeichnet im Gegensatz zu 'etisch' den Blick von innen.
Fachbegriffe hin oder her, es gibt auch den entgegengesetzten Weg, den ich mal "going foreign" nennen möchte. Wie ein Wort, das man 100mal wiederholt plötzlich seltsam klingt wird die eigene Kultur fremd, wenn man sich zu sehr mit ihr beschäftigt.
Und so geht es mir gerade. Ein wichtiger Reiz, der von der Beschäftigung mit dem Schwert oder anderen mittelalterlichen Waffen und deren Techniken vor allem für Trainer (für Trainierende muss ich das noch erörtern) ausgeht, ist die Möglichkeit sich außerhalb des 'Normalen' zu bewegen. Frag jemanden, der sich ein oder zwei Mal in der Woche mit einem schwertähnlichen Objekt in der Hand in eine Halle stellt und er wird dir bestätigen, dass er zumindest ein bisschen verrückt ist - und jede Menge Spaß daran hat.
Darüber hinaus ist der Verdacht des Eskapismus nicht weit. Die meisten Sportler die ich kenne oder von denen ich gehört habe gehen einer geregelten Tätigkeit nach und sind auf dem Weg in ein gutbürgerliches Leben, aber so ganz befriedigend ist das nicht. Schwertkämpfer sind nicht dümmer als andere Leute und haben Augen im Kopf um zu sehen, dass in der Gesellschaft, egal ob man sie jetzt auf das Land bezieht oder einen größeren geographischen Raum manches besser laufen könnte.
Als Rückzugsraum bietet sich eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten an, mit denen man sich ähnlich wie es 'in der Welt da draußen' auch passiert messen kann/muss, aber zu einem anderen Zweck.
Wer eine Partnerübung besser macht bekommt keine Gehaltserhöhung. Wer eine Prüfung besteht bekommt keine Beförderung.
Als Trainer - und zum Teil auch als Schüler - hat man die Möglichkeit eine Welt im kleinen zu erschaffen und wenn schon das große Ziel der Weltherrschaft nicht erreicht werden kann, dann ist das wenigstens eine oftmals funktionierende Alternative. Ich sage bewusst oftmals, weil es nicht genügt Trainer zu sein, um seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen. In meiner Sportart ist das Training traditionell autoritär angelegt, in anderen auch, bzw. entwickelt es sich automatisch in diese Richtung, weil es einfacher ist, wenn einer sagt, was gemacht wird, als wenn 10 oder mehr versuchen sich zu einigen.
Insofern werden bei der Beschäftigung mit dem Schwert vielfach bekannte/gewohnte Strukturen übernommen aber mit anderen Inhalten gefüllt. Es gilt einen Bereich zu schaffen, in dem man seine Komfortzone nicht verlassen muss. Durch den sportlichen Umgang ist es einfacher Berührungsängste zu überwinden, durch die relative Homogenität der Gruppe muss man sich keine Gedanken über die Integration von Ausländern oder Behinderten machen.
Darüber hinaus ist es leicht sich über das Merkmal 'Schwertkämpfer' abzugrenzen. Wer die Vorstellung gegeneinander zu kämpfen grundsätzlich ablehnt - und sei es nur zum Spaß - ist grundsätzlich schon mal außen vor. Wer die selbe Faszination für das Schwert empfindet - egal ob die Gründe dahinter sich ähneln - ist grundsätzlich schon mal sympatisch.
Das ist auch einer der Gründe, warum es so wenig Bestrebungen gibt unter den verschiedenen Gruppen die es gibt voneinander zu Lernen oder in Kontakt zu kommen. Schwertkampf dient der Abgrenzung, so wie viele andere Hobbys auch. Golfer haben ein klar umrissenes Image, das zum Beispiel im konträren Gegensatz zu Kickboxern steht. Dabei sagt der Sport an sich ja noch nichts über den Charakter eines Menschen oder sonst irgend etwas aus. Für Schwertkämpfer muss sich dieses Image in der Gesellschaft erst konkretisieren, 'emisch' hat es aber schon recht klare Konturen. Dabei gibt es aber eine gewaltige Bandbreite, wie man das konkretisieren kann.
Ich war kürzlich in Hamburg und bin an einem Abend von einer gepflegten Unterhaltung bei Tee und Keksen nahtlos in ein Vollkontakttreffen in einer Garage mit Fellen an den Wänden gestolpert. Und obwohl der Umgang mit dem Schwert bzw. allgemeiner historischen europäischen Kampfkünsten unterschiedlicher kaum sein könnte, findet man doch Gemeinsamkeiten. Allen voran das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das bei genauerem Hinsehen auch ziemlich gegenstandslos sein kann. Doch zumindest für ein paar Stunden reicht die Faszination für historische Waffen/Techniken aus, um keine Differenzen aufkommen zu lassen.
Erhellend ist den Sport rund um mittelalterliche Techniken mit anderen Sportarten zu vergleichen, die nicht viel älter sind. Es fällt auf, dass sich Schwertgruppen aus den verschiedensten Gründen an bekannten Mustern orientieren: Sie organisieren sich in Vereinen, schließen Versicherungen ab, erheben Beiträge, halten regelmäßige Trainings ab.
Wie soll es auch anders gehen? Gegenbeispiele wie Parcour, Geocaching oder Surfen zeigen, dass es auch anders geht. Manches ist der Zweckmäßigkeit geschuldet, vieles aber auch einfach dem Selbstverständnis der Sportler. Frag einen Jugendlichen, der sich für Parcour begeistert, ob er einem Verein beitreten will und er wird wahrscheinlich der Meinung sein, dass das uncool ist.
Im Gegensatz zum Schwertkampf funktionieren moderne Trendsportarten grob gesagt nach dem Muster: Global vertreten - lokal ausgeführt - dezentral organisiert.
Schwertkämpfer hingegen sind zwar ebenfalls global vertreten, orientieren sich aber lokal mit einer zentralen Führung. Regelmäßiges Erscheinen im Training ist erwünscht, private Übungstreffen irgendwo im Garten ohne Aufsicht des Trainers eher nicht.
Man schielt mit einem Auge auf etablierte Kampfsportarten, ist aber noch nicht bereit systematisch auf eine entsprechend vergleichbare Größe hinzuarbeiten, weil man dafür den Status des 'anders seins' aufgeben müsste. Karate kann schließlich jeder machen, Schwertkampf ist hingegen nur was für sympathisch Verrückte.
Zurück zu 'going native'. In meiner Sportart musste ich mich erst einmal an die Gepflogenheiten gewöhnen und es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte es sein lassen, weil ich mich nicht damit anfreunden konnte. Jetzt da ich immer deutlicher sehe, was andere Gruppen machen und was der gemeinsame Kern ist, geht es mir wieder so und ich führe die Rituale meines Sports aus wobei ich mir bewusst bin, dass es Rituale sind, deren Form arbiträr ist.
Montag, 6. Juni 2011
Warum Schwertkampf?
Warum man heute historischen europäischen Schwertkampf betreibt ist in meiner Doktorarbeit nach wie vor eine meiner Kernfragen, wenn nicht sogar die Kernfrage.
Und genau in dieser Frage bin ich einen Schritt weiter gekommen.
Man muss nicht forschen, um zu wissen, dass die Motivation dafür von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist und man muss nicht lange forschen, um herauszubekommen, dass viele gar nicht sagen können, warum sie Schwertkampf machen.
Es ist halt irgendwie cool und macht halt irgendwie Spaß.
Inzwischen sehe ich, dass sich Cluster bilden lassen, die folgende Eigenschaften (meist in Kombination) am Schwertkampf besonders schätzen (nicht wundern, manches widerspricht sich):
- Schwertkampf ist frei von Ideologie
- Schwertkampf ist etwas womit man sich identifizieren kann
- Schwertkampf gibt einen realistischen Zugang zum Mittelalter
- Schwertkampf vermittelt Werte, die in unserer Gesellschaft fehlen
- Schwertkampf ist männlich
- Schwertkampf macht nicht jeder
- Schwertkampf dient der eigenen Selbstverwirklichung
Klingt noch ein wenig verworren und/oder banal, aber für mich war es eine wichtige Erkenntnis zu erleben, dass ich einem Trainer sagen konnte, dass er tut was er tut weil er im Training einen Rahmen findet, in dem er die Welt so gestalten kann wie er will. Mit dem Ziel auch die Welt außerhalb des Trainings zu verändern.
Das ist nicht auf den Schwertkampf beschränkt, aber ein Teil davon.
Und genau in dieser Frage bin ich einen Schritt weiter gekommen.
Man muss nicht forschen, um zu wissen, dass die Motivation dafür von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist und man muss nicht lange forschen, um herauszubekommen, dass viele gar nicht sagen können, warum sie Schwertkampf machen.
Es ist halt irgendwie cool und macht halt irgendwie Spaß.
Inzwischen sehe ich, dass sich Cluster bilden lassen, die folgende Eigenschaften (meist in Kombination) am Schwertkampf besonders schätzen (nicht wundern, manches widerspricht sich):
- Schwertkampf ist frei von Ideologie
- Schwertkampf ist etwas womit man sich identifizieren kann
- Schwertkampf gibt einen realistischen Zugang zum Mittelalter
- Schwertkampf vermittelt Werte, die in unserer Gesellschaft fehlen
- Schwertkampf ist männlich
- Schwertkampf macht nicht jeder
- Schwertkampf dient der eigenen Selbstverwirklichung
Klingt noch ein wenig verworren und/oder banal, aber für mich war es eine wichtige Erkenntnis zu erleben, dass ich einem Trainer sagen konnte, dass er tut was er tut weil er im Training einen Rahmen findet, in dem er die Welt so gestalten kann wie er will. Mit dem Ziel auch die Welt außerhalb des Trainings zu verändern.
Das ist nicht auf den Schwertkampf beschränkt, aber ein Teil davon.
Samstag, 12. Februar 2011
Schwert auf Reisen
Nachdem ich mit den ersten Interviews begonnen habe, musste ich promt die Gliederung meiner Dissertation leicht umschmeißen. Erstens wird immer deutlicher, dass ich die Beschäftigung mit dem Schwert zwar nach wie vor in die drei großen Bereiche Sport, Rollenspiel und Schow einteilen kann, das das aber zu kurz greift. Reenactment/Living History beansprucht einen eigenen Teil und überhaupt sind die Meinungen und Ziele innerhalb der Szene(n) zu breit gefächert, als dass ich sie guten Gewissens in drei bis vier Kategorien pressen könnte. Der neue Plan ist mit den 4 großen Kategorien anzufangen und dann anhand einzelner 'Alleinstellungsmerkmale' an den Rändern der Skala weiterzuarbeiten, d.h. einzelne Leute, die bewusst keine Gruppe um sich wollen vs. Deutschlandweite Gruppierungen, Gruppen, die sich streng an die Quellen halten vs. solche, die kein Problem haben sich von den Quellen zu lösen etc.
Vielleicht wird's keine solche Gegenüberstellung, aber so bekomme ich ein gutes Spektrum hin, denke ich.
Und weil ich eh schon am ändern war, habe ich beschlossen den historischen Teil auf ein Minimum zu beschränken. Entweder ich schreibe eine eigene Arbeit über die Entwicklung des Schwertes und den Umgang damit, oder ich verzerre das Bild. H.P. Hils hat die Gefahr aufgezeigt, die dadurch entsteht. Das Schwert wurde in verschiedenster Form von verschiedenen Leuten auf unterschiedlichste Weise verwendet. Es gab eben nicht nur den 'Ritter' mit 'seiner' Waffe. Da haben auch noch viele andere mitgemischt und das heute entwirren zu wollen überlasse ich lieber den Experten.
Aber um auch noch dem Titel dieses Eintrags Rechnung zu tragen: 2011 werde ich viel auf Reisen sein. Wie die alten Meister *hüstel* *hüstel*. Ich hab ein wenig Angst davor, aber ich freue mich auch schon tierisch darauf. Angst nicht nur, weil es bedeutet auf gut gewappnete und gut ausgebildete Leute zu stoßen, sondern auch, weil mir bewusst geworden ist, dass ich damit zum Teil meine Zukunft bestimmen werde. Ich werde schließlich nicht nur durch die Gegend fahren und mir Sachen ansehen. Ich werde Verbindungen zu Menschen knüpfen, die mir wahrscheinlich was bedeuten werden und ich werde mich vor einem interessierten Publikum als derjenige exponieren, der sich anmaßt etwas über die Schwertkampszene(n) sagen zu wollen.
Eine Verantwortung, die ich sehr ernst nehme.
Vielleicht wird's keine solche Gegenüberstellung, aber so bekomme ich ein gutes Spektrum hin, denke ich.
Und weil ich eh schon am ändern war, habe ich beschlossen den historischen Teil auf ein Minimum zu beschränken. Entweder ich schreibe eine eigene Arbeit über die Entwicklung des Schwertes und den Umgang damit, oder ich verzerre das Bild. H.P. Hils hat die Gefahr aufgezeigt, die dadurch entsteht. Das Schwert wurde in verschiedenster Form von verschiedenen Leuten auf unterschiedlichste Weise verwendet. Es gab eben nicht nur den 'Ritter' mit 'seiner' Waffe. Da haben auch noch viele andere mitgemischt und das heute entwirren zu wollen überlasse ich lieber den Experten.
Aber um auch noch dem Titel dieses Eintrags Rechnung zu tragen: 2011 werde ich viel auf Reisen sein. Wie die alten Meister *hüstel* *hüstel*. Ich hab ein wenig Angst davor, aber ich freue mich auch schon tierisch darauf. Angst nicht nur, weil es bedeutet auf gut gewappnete und gut ausgebildete Leute zu stoßen, sondern auch, weil mir bewusst geworden ist, dass ich damit zum Teil meine Zukunft bestimmen werde. Ich werde schließlich nicht nur durch die Gegend fahren und mir Sachen ansehen. Ich werde Verbindungen zu Menschen knüpfen, die mir wahrscheinlich was bedeuten werden und ich werde mich vor einem interessierten Publikum als derjenige exponieren, der sich anmaßt etwas über die Schwertkampszene(n) sagen zu wollen.
Eine Verantwortung, die ich sehr ernst nehme.
Montag, 31. Januar 2011
Interviews und anderes Zufechten
Je mehr Interviews ich führe, desto klarer wird mir, wie wenig ich weiß.
Obwohl die Schwertkampfszene nun wirklich nicht riesig ist, beherbergt sie mehr individuelle Ansichten als ich angenommen habe. Ist halt nicht alles Langes Schwert und der Versuch Liechtenauer und Co. zu verstehen. Nein, da gibt es alles von den Jungs mit Langsaxen bis zu den Leuten, die vor dem Training ihre Weste zuknöpfen und dann den Regenschirm schwingen. Auch das kann historische europäische Kampfkunst sein.
Deshalb habe ich beschlossen, dass es klüger ist, mich nicht auf zwei oder drei repräsentative Gruppen für die großen Bereiche Schwertkampf im Sport, als LARP und auf der Bühne zu beschränken, sondern zu versuchen ein Spektrum an Meinungen anhand der Extrempositionen zu beschreiben.
Außerdem beginnt meine Dreiteilung zu bröckeln, es gibt nämlich auch Trainer, die historisches Fechten nochmal vom historischen Fechten als Sport abgegrenzt haben möchten. Und in der Rollenspiel/Schlachtenszene hab ich mich auch noch zu wenig umgehört. Mal sehen, wie es da weitergeht.
Außerdem überlege ich zur Befriedigung meines verletzten Egos dem Text meiner Dissertation nicht nur eine Danksagung voran zu stellen, sondern auch eine rituelle Verfluchung an alle, die sich zu fein dafür sind.
Deshalb hier schon mal mein Dank an diejenigen, die mir ein wenig ihrer Zeit geopfert und/oder mich eingeladen haben mir von ihnen eins auf die Mütze geben zu lassen. 2011 komm ich mindestens bis nach Hamburg hoch und hoffentlich auch wieder mit allen Gliedmaßen zurück.
In dem Sinne hier schon mein Dank an meine bisherigen Interviewpartner:
Elmar B.
Peter T.
Marcus H.
Markus W.
Peer M.
Obwohl die Schwertkampfszene nun wirklich nicht riesig ist, beherbergt sie mehr individuelle Ansichten als ich angenommen habe. Ist halt nicht alles Langes Schwert und der Versuch Liechtenauer und Co. zu verstehen. Nein, da gibt es alles von den Jungs mit Langsaxen bis zu den Leuten, die vor dem Training ihre Weste zuknöpfen und dann den Regenschirm schwingen. Auch das kann historische europäische Kampfkunst sein.
Deshalb habe ich beschlossen, dass es klüger ist, mich nicht auf zwei oder drei repräsentative Gruppen für die großen Bereiche Schwertkampf im Sport, als LARP und auf der Bühne zu beschränken, sondern zu versuchen ein Spektrum an Meinungen anhand der Extrempositionen zu beschreiben.
Außerdem beginnt meine Dreiteilung zu bröckeln, es gibt nämlich auch Trainer, die historisches Fechten nochmal vom historischen Fechten als Sport abgegrenzt haben möchten. Und in der Rollenspiel/Schlachtenszene hab ich mich auch noch zu wenig umgehört. Mal sehen, wie es da weitergeht.
Außerdem überlege ich zur Befriedigung meines verletzten Egos dem Text meiner Dissertation nicht nur eine Danksagung voran zu stellen, sondern auch eine rituelle Verfluchung an alle, die sich zu fein dafür sind.
Deshalb hier schon mal mein Dank an diejenigen, die mir ein wenig ihrer Zeit geopfert und/oder mich eingeladen haben mir von ihnen eins auf die Mütze geben zu lassen. 2011 komm ich mindestens bis nach Hamburg hoch und hoffentlich auch wieder mit allen Gliedmaßen zurück.
In dem Sinne hier schon mein Dank an meine bisherigen Interviewpartner:
Elmar B.
Peter T.
Marcus H.
Markus W.
Peer M.
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