Donnerstag, 29. Juli 2010

Historisches Fechten bei Huscarl on air

Langer (viel Musik) Beitrag zur historischen Fechterszene in Österreich. Von SCA bis Dreynevent ist alles dabei.

http://cba.fro.at/show.php?lang=de&eintrag_id=12179

Hörenswert.

Samstag, 3. Juli 2010

Höflichkeit ist besser als Draufhaulichkeit

Unter der Überschrift "Höflichkeit ist besser als Draufhauen" gibt es hier einen Artikel über die Moderne Schwertkunst in Osnabrück.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Zwischenstand nach 7 Monaten

So eine Doktorarbeit braucht nicht nur Zeit sondern auch ein Ziel und Durchhaltevermögen. Nachdem ich mich durch die Sekundärliteratur zum Thema historische Fechthandschriften gewühlt habe und bis zu Gustav Hergsell vorgedrungen bin, ist mir ein wenig die Puste ausgegangen. Ich habe erstmal Klarheit gebraucht, was ich mir von den vielen Aspekten, die das Schwert in der modernen Zeit betreffen herauspicken soll. Dazu später mehr.

Erst muss ich ein paar Worte über Hergsell verlieren. In "Die Fechtkunst im XV. und XVI. Jahrhunderte." Prag. 1896 beschreibt er die Entwicklung der Fechtkunst

"seit jener Zeit [...] als die brutale Kraft allein nicht mehr zum Siege im Kampf genügte [...]". (Vorwort)


"Von der am Ausgange des Mittelalers und zu Beginne der neueren Zeit in Deutschland herrschenden Fechtkunst lässt sich nach allen historischen Schilderungen und Bildwerken, wie auch nach Allem, was uns die Fechtbücher und Handschriften aus jener Zeit zur Darstellung bringen, im Allgemeinen nur das Eine sagen, dass sie vorwiegend in einem ziemlich schwerfälligen Gebrauche mannigfaltiger Waffen bestand." S. 419.
Zu diesem Urteil gelangt er, obwohl er an die 100 Seiten den Inhalt verschiedener Fechtbücher wiedergibt und eine ziemlich hohe Meinung der dritte Handschrift von Thalhofer (aus dem Jahr 1467) - Gothaer Codex - hat. Für ihn ist sie keine Sammlung von abergläubischen Regeln, die Thalhoffer gelehrsam erscheinen lassen sollen, sondern 
"wohl das bedeutendste" Fechtwerk des 15. Jahrhunderts. S. 434.
Falls jemand eine Erklärung für diese Diskrepanz hat, würde ich sie gerne hören.

Ansonsten werde ich mir für meine Untersuchung drei Bereiche rauspicken in denen das Schwert heute wieder benutzt wird: Als Sportgerät, als Requisite auf der Bühne oder bei Vorführungen und als Spielgegenstand für LARP und Co.
An der Formulierung muss ich noch feilen, aber damit ist schonmal klar, dass Randbereiche wie Schwerttanz, Schwertsammler oder Zeremonialwaffen wegfallen. Puhh ...

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Doktorarbeit über Schwertkampf in Deutschland - Zwischenstand nach 1 Monat

Grundsätzliches: Ich bin seit ca. 3 Jahren aktiv in der Sportart Moderne Schwertkunst, die mittelalterliche europäische und zeitgenössische asiatische Techniken mischt, um daraus einen Sport zu machen, der für eine große Masse von Leuten geeignet ist, vergleichbar mit Karate, wo teilweise auch nicht mehr viel von der 'historischen Realität' übrig ist. Zuvor habe ich zwei Jahre Capoeira trainiert, davor wiederum Karate und Judo. Kampfsport hatte also schon länger einen Reiz für mich. Neu ist allerdings, dass ich mich eingehender damit beschäftige und zwar nicht nur mit den Hintergründen, sondern mit meiner eigenen Motivation. Konkret mit der Frage, warum ich Techniken erlerne, die ursprünglich dazu entwickelt worden sind Menschen im Krieg oder im Zweikampf zu töten.
Ein Gespräch mit einem ehemaligen Klassenkameraden hat den Anstoß gegeben, dass ich mir ernsthaft überlegt habe eine Doktorarbeit im Fach Volkskunde darüber zu schreiben. Also habe ich nach Absprache mit meinem Professor in Regensburg bei meinem bisherigen Arbeitgeber, einer Werbeagentur in München meinen Job als Texter gekündigt, eine Stelle im Moosburger Kino angenommen und angefangen.

Fragestellung: Es gibt eine ganze Handvoll Arten sich heute mit den Waffen des europäischen Mittelalters, insbesondere dem Schwert zu beschäftigen: Historisches Fechten, Olympisches Fechten, Reenactment, Bühnenkampf, Rollenspiel, Sammlertätigkeit, Fantasy, Schwerttanz, etc.
Mein Ziel ist es herauszubekommen, was die einzelnen Gruppen voneinander unterscheidet und was ihr Antrieb ist, eine Waffe in die Hand zu nehmen, die in ihrer ursprünglichen Funktion durch Schusswaffen und Anwälte ersetzt worden ist.

Methoden: Momentan stütze ich mich zur Recherche stark auf Google, besonders Google Books. Auch wenn die wenigsten Bücher vollständig einsehbar sind, bekomme ich meist genügend Anhaltspunkte, um entscheiden zu können, ob es sich lohnt, das Ding über die Münchner StaBi zu bestellen oder es vielleicht sogar zu kaufen. "The medieval sword in the modern world" von Tinker Pearce habe ich mir gestern sogar als .pdf auf Lulu gekauft, hätte nie gedacht, dass ich mal auf diese Weise ein Buch kaufen würde.
In Sachen "Studentisches Duell" bin ich auf die Bibliothek eines anderen Nutzers gestoßen, der bereits einige Stellen aus alten Zeitschriften recherchiert hatte, die ich ohne seine Fingerzeige wahrscheinlich nie gefunden hätte.
Neben Google hat sich www.archive.org als ganz nützlich erwiesen. Es enthält zwar weniger Texte, die mich interessieren, dafür kann man sich aber sicher sein, dass diese vollständig vorhanden sind.
Nebenbei erweitere ich meine Bibliographie aus den Artikeln und Büchern, die ich bisher (an)gelesen habe und frage mich, ob ich je genug Zeit finden werde die alle zu lesen.

Bisherige Erkenntnisse
: Mein Vorurteil, dass es einen Graben zwischen olympischen Fechtern und historischen Fechtern gibt hat sich bisher bestätigt. Als Beispiele möchte ich "Medieval swordsmanship" von John Clements auf der einen und "The history of fencing" von William M. Gaugler auf der anderen Seite heranziehen. Während Clements sich alle Naselang darüber beschwert, dass Schwertkampf durch die Medien falsch dargestellt wird (die ihre Konzepte von Bühnenfechtern haben, die wiederum von den olympischen Fechtern abschauen) und Schüler asiatischer Kampfkünste bedauerlicherweise 'ihre eigentliche' Tradition irgnorieren, handelt Gaugler alles was vor Achille Marrozo kam mit dem Satz "[...] information concerning fencing practice is sparse during antiquity and the Middle Ages [...]" (S. XV.) ab. Und selbst bei Marozzo findet er das lange Schwert nicht besonders spannend. Außerdem beschließt er sein Buch mit einem Gedanken, über den historische Fechter wahrscheinlich laut lachen werden: "[...] swordplay [...] has always had the same aim: to touch without being touched." (S. 432.)


Ich glaube es wird interessant sein, sich an solchen Nebensätzen entlangzuhangeln und aus scheinbar selbstverständlichen Aussagen ein Selbstbild der jeweiligen Gruppen zusammenzusetzen, mit dem ich sie dann konfrontieren kann. Denn auch wenn meine Sichtweise historisch eingefärbt ist, will ich doch so objektiv wie möglich bleiben und ich traue Menschen, die viel Zeit und Energie in eine Sache stecken zu, dass sie einigermaßen wissen was sie tun.

Außerdem hab ich festgestellt, dass ich mich sehr anstrengen muss, um Texte wie "Beiträge zur morphologischen Entwicklung des Schwertes im Mittelalter" von Alfred Geibig zu verstehen. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich mit "Typ XIV" eine konkrete Form verbinde. Dabei wäre es einfach, wenn nur die Typologie von Oakeshott & Co. vorkommen würde, aber scheint's hat jeder, der was zu diesem Thema geschrieben hat eigene Unterkategorien entwickelt ...

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